Nachhaltiges Bauen: Bewährte Recycling-Dämmstoffe

22. Juni 2017

Eine nachhaltige Baukultur sucht auch bei den Dämmstoffen umweltfreundliche Alternativen. Naturdämmstoffe erfreuen sich deshalb zunehmender Beliebtheit. Sie werden wenig energieintensiv aus nachwachsenden Rohstoffen produziert. Ökologisch betrachtet einen Schritt weiter gehen Recycling-Dämmstoffe, die bis zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Material bestehen. Der Energieverbrauch bei ihrer Herstellung ist meist niedriger als bei der Produktion herkömmlicher Dämmstoffe, was sich positiv auf ihre Ökobilanz auswirkt. Alle zeichnen sich durch ihre sehr guten Isolierungseigenschaften aus. Viele sind günstiger als die traditionellen Optionen. Wir stellen Ihnen bewährte Materialien zur nachhaltigen und ökologischen Dämmung vor.

 PET-Flaschen als Dämmmaterial

© Pixabay / Ermaf62; https://pixabay.com/de/flaschen-recycling-kunststoff-2324335/; PET-Flaschen als Dämmmaterial

 

Ökologische Dämmung aus PET-Flaschen

In den Anfängen der werkstofflichen Verwertung von Altkunststoffen waren die Anwendungsmöglichkeiten noch wenig erforscht und nicht so breit aufgestellt wie heutzutage. Es wurden nur in einem relativ eingeschränkten Feld Recycling-Erzeugnisse hergestellt: Ein klassisches Beispiel dafür sind Parkbänke. Mit Produkten wie Wärmedämmung aus alten PET-Flaschen steht die ökologische Sinnhaftigkeit von Kunststoffverwertung heute außer Frage. Der Recycling-Dämmstoff besteht aus Polyesterfasern, die bei 170°C thermisch verfestigt werden. Die Produktion kommt ohne Zusatz von chemischen oder organischen Bindemitteln aus. Das Recyclingmaterial ist als Wärme- und Schalldämmung für Steildächer, Dachböden, Decken und Wandkonstruktionen einsetzbar. Es ist diffusionsoffen, dimensionsstabil und emissionsfrei. PET-Dämmung besteht bis zu 80 Prozent aus wiederverwerteten Fasern. An die 6.000 ausgedienten PET-Flaschen finden so in einem Einfamilienhaus eine neue Verwendung.

 

Vom Altpapier zum Dämmstoff

Auch Zellulosefasern sind der Klassiker unter den Recyclingprodukten. Zellulose ist Hauptbestandteil von Pflanzenwänden und wird zur Herstellung von Papier verwendet. Daraus kann sie zurückgewonnen und wieder verarbeitet werden. In Skandinavien werden alte Zeitungen schon seit 100 Jahren umweltfreundlich wiederverwertet. Aber auch bei uns ist Zellulose als ökologisches Dämmmaterial mittlerweile sehr beliebt. Sie zeichnet sich nicht nur durch gute Wärmedämmung und Wärmespeicherfähigkeit aus. Ihre hohe Dichte und ein hohes Raumgewicht machen sie auch zu einer guten Isolierung im Sommer. Weil reine Zellulose brennbar ist, werden Borsäure oder Ammoniumphosphat beigemischt. Ein Zusatz schützt vor Schimmelbildung und Schädlingen. Zellulose wird in Form von Flocken in Hohlräume eingebracht – bei der Dachdämmung oder in Holzwandkonstruktionen. Alternativ gibt es kunststoffverstärkte, flexible Platten für Zwischensparrendämmung oder Geschossdecken. Relativ neu und interessant für die Innendämmung von historischen Gebäuden ist Zellulosedämmung zum Aufsprühen.

 

Ein Projekt mit Vorzeigecharakter: Das Felix Platter-Spital in Basel. Eines der ersten BIM-Projekte der Schweiz.

 

Wärmedämmung aus Glas

Alterungsbeständig, schädlingsresistent und unbrennbar: Recycling-Glas ist der ideale Dämmstoff. In Form von Schaumglasschotter ist es einfach in der Handhabung, vielseitig einsetzbar und eine preisgünstige Alternative zu herkömmlichen Baustoffen. Altglas wird zu Glasmehl vermahlen, unter Zusatz von Bindemitteln und Blähmaterial bis ca. 900°C erhitzt und schnell abgekühlt. Das Ergebnis ist ein Glasschaum-Granulat in etwa fünf Zentimeter großen Stücken, das die physikalischen Eigenschaften von Glas und Luft verbindet: Es hat ein hohe Tragfähigkeit und durch die vielen Hohlräume eine sehr gute Dämmwirkung bei einem sehr geringen Schüttgewicht von 130 bis 170 kg pro Kubikmeter. So kann es einerseits unter Bodenplatten verwendet werden, andererseits bietet es sich zur Isolierung von Dächern und Deckenkonstruktionen an.

 

Jute: Naturdämmstoff als Recyclingmaterial

Naturdämmstoffe sorgen für ein gesundes Raumklima. Werden sie in Recycling-Produkten eingesetzt, sind sie ökologisch noch sinnvoller. Überzeugendes Beispiel: Wärmedämmung aus gebrauchten Jutesäcken. Die Beutel werden in ihre Einzelfasern zerlegt, mit polymeren Stützfasern auf PET-Basis und Soda für den Brandschutz versehen und als Matten, Rollen- oder Stopfware genutzt. Zwischen 85 und 90 Prozent beträgt der Anteil an recycelten Jutefasern im fertigen Produkt. Jutedämmung eignet sich als Zwischen- und Untersparrendämmung, zur Isolierung von Außen- und Innenwänden in Holzständerbauweise sowie als Außendämmung hinter Fassadenbekleidungen. Sie ist resistent gegen Schimmel und schützt im Sommer auch gegen Hitze.

 

Alte Zeitungen und Transportsäcke, Flachs und Seegras, Dämmvlies aus Schafwolle, Architektur aus Pilzen – ökologische Dämmung und Biobaustoffe verändern die Baukultur. Die weitere Entwicklung bleibt spannend.

 


 

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