So verändern ökologische Dämmstoffe die Baukultur

19. Januar 2017

22 Millionen Quadratmeter Dämmstoffe werden in Deutschland jährlich verbaut. Die am häufigsten verwendeten Materialien sind Styropor und Mineralwolle, die aufgrund ihrer Nachteile für die Umwelt immer mehr in die Kritik geraten. Bauherren wünschen sich deshalb eine nachhaltige Dämmung von Fassade und Dach, was durch den Einsatz von Holz, Hanf, Flachs, Zellulose und Seegras möglich wird.

 

Ökologische Dämmstoffe

© Pixabay, CC0, https://pixabay.com/de/architektur-bau-bauen-geb%C3%A4ude-1541086/

 

Nachhaltige Dämmung trägt zum Klimaschutz bei

Seit Jahren diskutieren Wissenschaftler neue Ansätze für mehr Nachhaltigkeit in der Architektur. Eine energieeffiziente Bauweise der Zukunft soll sich wieder verstärkt an den topografischen, klimatischen und kulturellen Bedingungen ihrer Umgebung orientieren, so der deutsche Architekt Professor Stefan Behnisch.

 

Architekten und Ingenieure stehen vor zweierlei Herausforderungen: Auf der einen Seite drängt die Bundesregierung mit ihrem Klimaplan 2050, bis zum Jahr 2050 etwa 90 Prozent der Bestandsbauten energetisch zu sanieren. Damit soll der Ausstoß von Kohlendioxid, der bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht, weiter gesenkt werden. Auf der anderen Seite wachsen die Ansprüche der Gesellschaft an den Wohnkomfort: Die zu beheizende Wohnfläche pro Person wächst und der Anteil elektrischer Geräte im Haushalt nimmt zu. Es ist also noch mehr Energie notwendig, als dies bisher der Fall war.

 

Ein Weg, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen, ist der Einsatz von Dämmstoffen. Sie sorgen nicht nur für mehr Komfort, sondern erfüllen auch wichtige Aufgaben wie Wärme-, Feuchte-, Brand- und Schallschutz. Einige, wie expandiertes Polystyrol (EPS), sind in die Kritik geraten, andere warten auf ihren großen Durchbruch. Hierzu gehören umweltfreundliche Dämmstoffe aus Hanf, Zellulose oder Holz. Ihre Rohstoffgewinnung, Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung verbraucht weniger Energie als bei konventionellen Dämmmaterialien und sie stellen ein geringes Risiko für Gewässer und Erdreich dar. Sie bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und sind zu 100 Prozent recycelbar. Einige schneiden aufgrund ihrer Eigenschaften im Vergleich besser ab als herkömmliche Dämmstoffe.

 

Dämmplatten aus Zellulose, Holz oder Hanf sind vielseitig einsetzbar

Das bekannteste Material für eine ökologische Dämmung ist Zellulose. Die Flocken oder Platten werden aus gemahlenem Zeitungspapier hergestellt. Um einen ausreichenden Brandschutz zu gewährleisten, setzen die Hersteller Borsalze oder Aluminiumsulfate zu. Der Baustoff dient zum Beispiel zur Dachdämmung oder zur Dämmung von Wänden in Holzrahmenweise.

 

Mehr zum Thema Bauen mit Holz: wie entsteht eine Dachkonstruktion aus Holz mit  Spannweiten von über 85 Metern, die so noch nie vorher gebaut worden ist?

 

 

Holz ist als nachhaltiger Dämmstoff für Dächer und Fassaden sowie für die Trittschalldämmung geeignet. Das Material kann in Form von Platten, Flocken oder Holzwolle verarbeitet werden. Es verfügt über einen ausgezeichneten Wärmeschutz. Eine weiterführende Variante entwickelten Forscher am Fraunhofer Institut für Holzforschung in Braunschweig. Sie schäumen eine Suspension aus Holzfasern und Wasser mit Kohlenstoffdioxid auf. Daraus entsteht ein druckfester Hartschaum aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen. Neue Studien zu ökologischen Dämmstoffen beginnen im Dezember 2016 innerhalb des Projektes „Materialkennwerte“.

 

Einen anderen Baustoff der Zukunft stellt Hanf dar. Er hat stark feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften: Die Hanfdämmplatten können bis zu 17 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne dass ihre Fähigkeit zur Dämmung sinkt. Die Pflanze ist sehr resistent gegenüber Schädlingen und lange haltbar. Diese Merkmale zeichnen die Hanfdämmung als ein wichtiges Element für nachhaltiges Bauen aus.

 

Flachs und Seegras bieten zusätzliche Alternativen zur Dämmung

Flachs kann zwar nur innen eingesetzt werden, überzeugt aber im Wärmeschutz und in der Schalldämmung. Ebenso wie Hanf nimmt die Pflanze Schwingungen gut auf und wandelt sie in Wärme um. Die Flachsmatten finden beispielsweise bei der Zwischensparren-Dämmung Anwendung. Als Stützfaser dient Maisstärke.

 

Seegras geht noch einen Schritt weiter im Umweltschutz. Dieses Meeresgewächs muss nicht angebaut werden, es kann einfach an Stränden in Albanien oder Ägypten gesammelt werden. Das getrocknete und anschließend zerkleinerte Fasermaterial dient zur Dämmung von Dächern, Decken und Wänden. Es enthält natürlicherweise Borsalz, das Dämmstoffen wie Hanf oder Flachs künstlich zugesetzt werden muss. Dadurch bleibt die Pflanze schwer entflammbar, schimmelt nicht und ist sehr lange haltbar.

 

Der Anteil an Dämm-Materialien aus nachhaltigen Rohstoffen wird steigen

Die Herstellung dieser ökologischen Dämmstoffe benötigt weitaus weniger Energie als bei konventioneller Mineralwolle. Außerdem können Holz, Hanf und Seegras leicht recycelt werden, entweder zur erneuten Dämmung als Schüttmaterial oder zur Kompostierung im Erdboden. Ihr Marktanteil liegt derzeit bei fünf Prozent. Eine Steigerung ist in den nächsten Jahren jedoch zu erwarten. Es gibt sowohl individuelle als auch baupolitische Bestrebungen, den Klimaschutz weiter voranzutreiben, denn wohngesunde und nachhaltige Architektur spielt in Zukunft eine bedeutende Rolle.

 


 

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