Schieneninfrastruktur: Bund und Bahn setzen auf BIM

6. Februar 2017

Modellbasiert, effizient, kooperativ und transparent: Building Information Modeling gehört die Zukunft in der Bauindustrie. Das haben auch Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, erkannt. „Für uns als größter Betreiber von Schieneninfrastruktur in Europa und als einer der größten Bauherren auf dem Kontinent bedeutet das Building Information Modeling einen gewaltigen Entwicklungssprung“, so Grube.

 

Rüdiger Grube und Alexander Dobrindt

© Rüdiger Grube und Alexander Dobrindt; BMVI, https://www.flickr.com/photos/bmvi_de/30100463226/in/album-72157671379270893/

 

Stufenplan Digitales Planen und Bauen

Am 5. Oktober 2016 unterzeichneten Grube und Dobrindt eine Finanzierungsvereinbarung der DB Netz AG, die auf dem Stufenplan Digitales Planen und Bauen basiert. Er regelt und fördert die Einführung moderner, IT-gestützter Prozesse und Technologien für infrastrukturelle Großprojekte. Bis zum Jahr 2020 soll BIM laut BMVI für alle Verkehrsinfrastrukturprojekte des BMVI bundesweit zum Standard werden. Der Bund investiert 20 Millionen, die Bahn weitere neun Millionen Euro in die Realisierung von insgesamt 13 Schienen-Pilotprojekten. Dazu gehören unter anderem Streckenabschnitte der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel, die Ausbaustrecke Emmerich-Oberhausen des Rhein-Ruhr-Express und die Schienenanbindung der Fehmarnbeltquerung. Enthalten sind auch die beiden bereits im Bau befindlichen Schieneninfrastruktur-Maßnahmen „Tunnel Rastatt“ und „Filstalbrücke“.

 

BIM: Schneller, besser, günstiger

Durch den Einsatz von BIM lassen sich Planungsfehler, Risiken, unerwartete Kostensteigerungen, gestörte Bauabläufe und unnötig ausufernde Betriebskosten vermeiden. So können hohe wirtschaftliche Erträge, insbesondere in Bezug auf Großprojekte, auf der Schiene erzielt werden. Schnelleres, günstigeres und besseres Bauen ist das Ergebnis. Bisherige Erfahrungen der Deutschen Bahn mit dem laufenden Pilotprojekt Tunnel Rastatt zeigen, dass sich die Planungsqualität und Projektsteuerung mit BIM deutlich verbessert hat. Der 4.270 Meter lange Tunnel unterquert das komplette Stadtgebiet von Rastatt und ist das zweitlängste Bauwerk der Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe–Basel.

 

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„Anhand der vorliegenden Modelle waren wir in der Lage, Bauabläufe und Kosten des Tunnels zu simulieren, um so Konflikten und Risiken in der Ausführungsphase vorzubeugen“, erklärt Sascha Björn Klar, BIM-Projektleiter Tunnel Rastatt. „Durch die Nutzung einer gemeinsamen Informations- und Datenplattform vernetzen wir alle Projektbeteiligten und fördern die Kommunikation. Mithilfe hochauflösender Projektvisualisierungen bekommen wir frühzeitig ein realistisches Bild von der Planung.“ In der Ausführungsphase können die Leistungswerte der Baustelle auf das Modell übertragen werden. Dadurch lassen sich Soll- und Istzustand vergleichen, sodass bei Abweichungen schneller reagiert werden kann.

 

Große Herausforderung, große Chance

Besonders der Bau komplexer Infrastrukturprojekte erfordert detailgenaue Planung und Ausführung. In der Vergangenheit standen große Vorhaben wie diese oft in der Kritik, da Bauzeiten und Kostenrahmen nicht eingehalten werden konnten. Mit der Einführung von BIM kann sich dies ändern. Die Umsetzung ist eine große Herausforderung, da zunächst allgemeingültige BIM-Regeln geschaffen werden müssen. Dazu gehören einheitliche Begriffe, Datenstandards sowie Verantwortlichkeiten und Prozesse. Mit dem Stufenplan Digitales Planen und Bauen investiert der Bund in die Zukunft der Bauwirtschaft und ergreift die große Chance, die BIM bietet.

 


 

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