Lichtbeton: Wenn Wände leuchten

8. Februar 2017

Lichtbeton verbindet in aufsehenerregender Weise die höchst gegensätzlichen Eigenschaften von Licht und Beton. Der Showeffekt hat jedoch auch seinen Preis.

 

Lichtdurchlässige Wände aus Glas oder Polycarbonat sind weithin bekannt. Sehr viel seltener findet man jedoch solche aus Beton. Wenn massive Betonwände plötzlich von innen heraus in bunten Farben erstrahlen, hat das schon etwas Magisches, verschmilzt hier doch in faszinierender Weise quasi das Greifbarste (Beton) mit dem Flüchtigsten (Licht). Dieser Faszination geradezu angemessen, ist Licht- bzw. lichtleitender oder transluzenter Beton eine echte Rarität. Oder besser: eine Kostbarkeit.

 

Obermain Therme Bad Staffelstein

© LUCEM; Obermain Therme Bad Staffelstein

 

Aufwändiger Fertigungsprozess

Lichtbeton wird in der Regel als Betonwerkstein hergestellt und anschließend wie ein Naturstein verarbeitet. Bis es jedoch erst einmal so weit ist, hat der lichtdurchlässige Stein bereits eine „lange Reise“ hinter sich, die nur noch in den Grundzügen mit der Herstellung einfachen Baubetons vergleichbar ist. Das Prinzip an sich ist einfach: Lichtbeton basiert auf einem Verbund von Beton und einem lichtleitenden Stoff (z. B. Glasfaser). Damit dieser Verbund allerdings am Ende auch den gewünschten Effekt erzielt, ist ein komplexer Fertigungsprozess vonnöten.

 

Zwar nicht aus Lichtbeton, aber dafür genauso bunt: die Evangelische  Grundschule in Karlsruhe.

 

Normaler Baubeton wird gerüttelt, um Luftbläschen aufzulösen. Da das Rütteln jedoch den lichtleitenden Stoff beschädigen würde, bedarf es eines speziellen Gemischs, welches die Bläschen von selbst auflöst. Hierzu muss dem Beton noch eine Reihe von Zusatzstoffen in perfektem Verhältnis beigemischt werden. Anschließend wird der so entstandene Feinbeton in einer Stärke von wenigen Millimetern Schicht für Schicht abwechselnd mit Gewebeflächen aus lichtleitendem Material aufgetragen. Danach muss der Beton über Wochen hinweg trocknen, gleichzeitig aber immer feucht gehalten werden, damit er nicht rissig wird.

 

Lichtbeton-Fassade in Berlin

© LUCEM; Lichtbeton-Fassade in Berlin

 

Hochfestes Statussymbol

Der in solch aufwendigen, zeitintensiven Verfahren gefertigte Lichtbeton hat natürlich einen Preis, der den von normalem Beton um ein Vielfaches übersteigt. So gesehen, sind Fassaden oder Einrichtungsgegenstände aus diesem Material nicht nur ein kleines sensorisches Wunder, sondern auch durchaus ein Statussymbol. Da der feine Lichtbeton obendrein die Festigkeit hochfester Betone besitzt, ist er allerdings auch leistungsfähiger als normaler Beton.

 Radisson Blue Hamburg

© LUCEM; Radisson Blue Hamburg

 

Prunkbauten mit Showeffekt

Wie nicht anders zu erwarten, findet sich der optisch so leicht anmutende Baustoff vor allem dort, wo das Geld locker sitzt und das Prestige eine gewisse Inszenierung von Pracht gebietet. So schmückt Lichtbeton nicht selten etwa Banken oder Luxushotels. Dort ersetzt er standesgemäße Oberflächen aus Marmor oder edlem Holz und fällt selbst noch den unaufmerksamsten Besuchern ins Auge.

 

Al Aziz Moschee, Abu Dhabi
© LUCEM; Al Aziz Moschee, Abu Dhabi

 

Auch der Sakralbau hat jüngst den wundersamen Effekt des lichtdurchlässigen Materials für sich entdeckt: Die 2015 fertiggestellte Al Aziz Moschee in Abu Dhabi wurde von der Firma LUCEM – einem Marktführer in Sachen Lichtbeton – mit einer einzigartigen transluzenten Fassade ausgestattet. In dieser erstrahlen abends, dank einer rückseitigen LED-Beleuchtung, Reliefs der 99 Namen Allahs wie von einem inneren Licht erfüllt und weisen den Gläubigen gleich in zweierlei Hinsicht den Weg.

 


 

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