Floating City: Das Atlantis der Zukunft

13. Februar 2017

Die fortschreitende Urbanisierung auf allen Kontinenten hält große Herausforderungen für Architekten, Ingenieure und Stadtplaner bereit. Metropolen wachsen stetig, doch der Platz auf der Erde wird weniger: Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Meeresspiegel aufgrund des Klimawandels bis zum Jahr 2100 um 20 bis 60 Zentimeter ansteigen und immer mehr Landmasse überspülen wird. Die Meere, die heute bereits 71 Prozent der Oberfläche unseres Planeten ausmachen, könnten in Zukunft der zentrale Lebensraum für Menschen sein. Vielversprechende Ansätze für ein Wohnen auf und unter dem Wasser gibt es bereits. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen einige davon vor.

 

Floating City

© Wikimedia Commons, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Seasteading#/media/File:AndrasGyorfi.jpg

 

Maritime Gärten in der Floating City China

Im Jahr 2014 beauftragte das chinesische Unternehmen CCCC-FHDI das Architekturbüro AT Design Office, eine vier Quadratkilometer große Stadtinsel zu entwerfen. Unter dem Namen „Floating City“ konzipierten die Architekten ein urbanes Eiland aus sechseckigen Modulen, die mit einer Infrastruktur aus Unterwasser-Tunneln, Straßen und Gehwegen verbunden sind. An Docks, die sich sowohl auf als auch unter der Wasseroberfläche befinden, können Schiffe oder U-Boote anlegen, um den Austausch von Waren zu erleichtern.

 

Der Entwurf der Architekten enthält außerdem Grünflächen in Form von vertikalen Gärten, die auf und unter dem Wasser angelegt sind. Sie dienen dabei nicht ausschließlich als Erholungsorte, sondern auch der Lebensmittelproduktion und Frischluftgewinnung. Ein gläserner Schacht im Zentrum der Konstruktion, sorgt für natürliches Licht. Sogar eine eigene Müllrecyclinganlage soll die Floating City beherbergen. Darüber hinaus krönen Unterwasser-Wohnungen, Sportanlagen und Einkaufszentren das futuristische Konzept. Das Unternehmen CCCC-FHDI prüft derzeit eine mögliche Finanzierung. Ob es jemals realisiert wird, bleibt jedoch offen.

 

„Ocean Spiral“: Eine Stadt geht auf Tauchkurs

Eine weitere maritime Vision ist das Projekt „Ocean Spiral“ vom japanischen Bauunternehmen Shimizu Corporation – Eine Unterwasserstadt, die anmutet wie ein Eisberg, da lediglich die Spitze aus dem Wasser ragt. Das Wohnen unter Wasser soll sich in einem trichterförmigen Pfeiler abspielen, in dem auf mehreren Etagen Apartments, Büros und Geschäfte untergebracht sind. Eine 15 Kilometer lange Spirale dient als Anker und verbindet die Stadt mit dem Meeresboden. Bei ruhigem Seegang treibt sie auf der Meeresoberfläche, bei schlechtem Wetter geht sie auf Tauchkurs wie ein U-Boot.

 

Die Stromversorgung soll durch die Umwandlung thermischer Meeresenergie erfolgen. Dabei steht nicht ausschließlich die Gewinnung von Elektrizität im Vordergrund, sondern auch die Entsalzung von Meereswasser, um die Trinkwasserversorgung zu sichern. Was nach utopischer Science-Fiction klingt, basiert auf der Expertise eines Forschungsteams aus Tokio. Die Kosten für die Realisierung des futuristischen Projekts sollen rund 20 Milliarden Euro betragen.

 

Schön schlank übers Tal: Die Grubentalbrücke - eine anspruchsvolle Konstruktion  made in Deutschland.

 

Seasteading Institute: Autonomie auf dem Wasser

Floating City und Ocean Spiral sind nicht die einzigen Entwürfe dieser Art. Auf der ganzen Welt beschäftigen sich Wissenschaftler, Architekten, Ingenieure und Stadtplaner mit maritimen Städte-Szenarien der Zukunft, darunter auch das US-amerikanische Seasteading Institute. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die Errichtung autonomer, mobiler Communities auf schwimmenden Plattformen in internationalen Gewässern zu erleichtern. Ein revolutionärer Gedanke, der den gesetzlich schwer definierbaren Raum auf dem Wasser nutzen möchte, um neue Gesellschaftsformen auf der Basis einer libertären Ökonomie zu erproben.

 

Laut der Vision von Gründer Patri Friedman sollen die schwimmenden Stadtstaaten Konzepte entwickeln, die dazu beitragen, die Probleme des 21. Jahrhunderts zu lösen und eine alternative Wirtschaftsform zum Kapitalismus finden. Ähnlich wie Start-ups im Silicon Valley, sollen die Stadtstaaten um ihre Bewohner buhlen, indem sie mit attraktiven Angeboten und Mehrwerten locken. Einen milliardenschweren Anhänger hat Friedman bereits gefunden: PayPal-Gründer Peter Thiel investiert Millionen in die Erforschung maritimer schwimmender Städte. Das Seasteading Institute veranstaltet regelmäßig Architekturwettbewerbe, die Ideen weiter vorantreiben sollen.

 

Schwimmende Städte: Nur Science-Fiction?

So utopisch diese architektonischen Szenarien auf dem Meer zunächst sein mögen, die Idee, das Wasser als Lebensraum zu erschließen, bietet großes Potenzial und ist bereits mehrere Tausend Jahre alt. Die Tanka in Hongkong oder die Uros am Titicaca-See leben seit jeher auf schwimmenden Behausungen. Fest steht, dass technologisch bereits vieles möglich ist, jetzt gilt es, Theorie und Praxis zu vereinen.

 


 

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