Natur, Tradition und Funktionalismus: Finnlands außergewöhnliche Baukunst

14. August 2017

Finnland feiert. Seit 100 Jahren ist der Ostseestaat unabhängig und eine Demokratie. In dieser Zeit wurde viel gebaut und es hat sich viel entwickelt: vom Funktionalismus der 1920er Jahre auf der Suche nach Autonomie über eine „organische“ Baukunst bis hin zu einer Architektur der Moderne. Letztgenannte besticht vor allem durch ihre sehr eigene Ausprägung und stellt ihren Gesellschaftsauftrag in den Vordergrund. Denn finnische Architekten sind Pragmatiker: Ihre Architektur will der Gemeinschaft dienen. Sie drängen sich nicht in den Vordergrund und folgen keinen Trends. Stattdessen bauen sie funktionstüchtige, schöne Häuser – wie unsere Beispiele zeigen.


Kaisa House in Helsinki

© Flickr / LIBER Europe, https://flic.kr/p/jHNBfy; Kaisa House in Helsinki

Vom Funktionalismus zur Moderne

Architektonisch fand das finnische Streben nach Unabhängigkeit Ausdruck im Funktionalismus der 1920er Jahre. Für dessen Begründer, den Architekten Alvar Aalto, musste Form Inhalt haben. Beides galt es mit der Natur in Einklang zu bringen und im fertigen Bauwerk einen Zweck erfüllen zu lassen. Die finnischen Landschaften waren Vorbild in einer Baukunst, mit der Aalto seinen Beitrag zu einer humaneren Gesellschaft leisten wollte. Aus seinem Funktionalismus entwickelte sich ein „organischer Modernismus“, der die finnische Architektur bis heute prägt. Sein Anliegen ist, Form und Funktion zu vereinen, um bewohnbare Räume für die Bedürfnisse einer modernen Welt zu schaffen. Glas, Stahl, Beton und Marmor sind selbstverständliche Materialien. Finnische Designer haben sich aber zu allen Zeiten auf die traditionelle Holzarchitektur besonnen – und tun es auch heute noch.

 

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Finlandia-Halle in Helsinki

© Flickr / Vestman, https://flic.kr/p/bRmRsF; Finlandia-Halle in Helsinki

 

Finlandia-Halle Helsinki: Funktionalismus à la Aalto

Alvar Aalto war ein Pionier des finnischen Modernismus und bestimmte fast ein halbes Jahrhundert lang die Architekturszene in seiner Heimat. 1971 schuf er als eines seiner letzten Werke die Finlandia-Halle in Helsinki. Das Konzert- und Kongressgebäude am südlichen Ufer der Bucht Töölönlahti ist das Wahrzeichen der finnischen Hauptstadt. Der beeindruckende Bau ist eine Festung und wirkt gleichzeitig bescheiden. Er besticht durch seine imposante Fassade aus weißem Marmor und dem schlichten Pragmatismus seiner kubistischen Form: Aalto wollte mit dem turmförmigen Aufbau und dem geneigten Dach über dem gesamten Gebäude eine perfekte Akustik im Konzertsaal schaffen. Die Finlandia-Halle steht somit ganz und gar im Zeichen des Funktionalismus.  

 

St. Henry's Ecumenical Art Chapel

© Flickr / My Lil' Rotten, https://flic.kr/p/9PAH3e; St. Henry's Ecumenical Art Chapel

 

Turku: Kunstkapelle im Kiefernwald

In Turku, der sechstgrößten Stadt Finnlands, befindet sich die Kunstkapelle des Heiligen Henrik. Matti Sanaksenaho und seine Frau Pirjo haben die Kirche entworfen und 2005 fertiggestellt. Der schlichte Bau zeigt, wie einfallsreich moderne finnische Holzarchitektur ist: Das mit Kupfer verkleidete Bauwerk steht auf einem Felsen inmitten eines Kiefernhains. Die grüne Patina der Kupferverkleidung passt die Kapelle farblich in den Nadelwald ein. Ihre Form erinnert an ein Boot, das mit dem Kiel nach oben liegt. Im Inneren kann der Besucher die schlichte Schönheit der offenen Holzkonstruktion auf sich wirken lassen – und die Stille der sie umgebenden Natur aufnehmen.

 

Saunalathi-Schule in Espoo

© Flickr / HelMet-kirjasto, https://flic.kr/p/cCKCDJ; Saunalathi-Schule in Espoo

 

Moderne Architektur macht Schule

Wer gute Bildung möchte, braucht einen guten Schulbau – darüber ist man sich in Finnland einig. Eines der jüngsten Beispiele ist die neue Saunalahti-Schule in Espoo vom Architekturbüro Verstas Architects. Die Funktion dieser Lernlandschaft ist nicht darauf beschränkt, dass hier Unterricht stattfindet. Das 10.000 Quadratmeter große Gebäude wird fast rund um die Uhr genutzt und soll in dem Stadtteil zudem als Quartierslösung der Mittelpunkt des Gemeinschaftslebens sein. Die zweistöckige Aula ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt: Kantine, Aufenthaltsraum, Veranstaltungssaal und Wohnzimmer des gesamten Viertels. Die Terrasse öffnet sich über eine große Glasfront sowohl zum Schulhof, als auch zum zentralen Quartiersplatz.

 

Finnische Baukunst hat eine lange Geschichte. Die Architektur der Moderne ist im Land der tausend Seen etwas anders als im überwiegenden Rest der Welt: Schlicht, pragmatisch, unabhängig. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es offene Wettbewerbe, an denen sich auch Architektur-Studenten beteiligen können. Dem finnischen Nachwuchs steht die spannende Aufgabe bevor, mit ihren Bauten Gesellschaftsräume  zu schaffen, die die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern können.

 


 

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