Viel Licht, aber … - Belichtung vs. Sonnenschutz

8. November 2018

Licht ist ein Grundbedürfnis aller Sehenden. Für Architekten ist es gleichsam eine Herausforderung, denn wo viel Licht ist, ist nicht nur starker Schatten, sondern auch schnell einmal große Hitze. Einerseits verlangt zeitgenössische Architektur vielfach auf fast schon hedonistische Weise nach dem vollen Genuss lichtdurchfluteter Räume – ganze Wolkenkratzer mit Glasfassade und immer transparenter werdende Wohnhäuser sprechen hier eine deutliche Sprache. Natürlich helle Räume sparen dabei auch Strom, der sonst zur Beleuchtung benötigt würde. Andererseits gilt es aus energetischen Gründen auf zusätzliche künstliche Klimatisierung möglichst zu verzichten. Eine Gratwanderung.

 

Solar Panel

© By Concord [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons

 

Die Anforderungen an die Tageslicht- und Sonnenschutzplanung sind vielfältig. Tageslicht soll möglichst überall dort vorhanden sein, wo man es benötigt – zum Beispiel in Arbeitsräumen -, und das möglichst lange. Ebenso braucht es je nach Jahreszeit ein gewisses Maß an Sonnenlicht, um eine angenehme Raumtemperatur zu erzielen. Gleichzeitig soll es aber auch nicht blenden und die Räume nicht übermäßig aufheizen. Sonnenschutzmaßnahmen müssen zudem nach Möglichkeit so eingesetzt werden, dass sie freie Sicht, aber auch eine unverfälschte, farbechte Transparenz gewährleisten. Obendrein sollte sowohl außen- als auch innenliegender Sonnenschutz die Ästhetik des Gebäudes nicht stören.

 

Sonnenschutzkatalog

Beim Sonnenschutz gilt es zunächst diverse Lösungen zu unterscheiden. Alles beginnt mit der richtigen Positionierung eines Gebäudes. Der Lauf der Sonne, aber auch die umliegende Bebauung, topographische Gegebenheiten oder die vorhandene Fauna spielen hierbei eine Rolle. Auch stehen bauliche Maßnahmen wie etwa Dachüberstände, Balkone und die Fassadenstruktur an erster Stelle für das richtige Maß von Licht und Schatten. Auf die baulichen Mittel folgt gegebenenfalls ein zusätzlicher Sonnenschutz im Fensterbereich, wobei auch dieser bereits bei der Planung berücksichtigt werden sollte, da gerade äußere Sonnenschutzsysteme die Architektur maßgeblich beeinflussen.

 

Intelligente Systeme

An Varianten mangelt es also nicht. Die teilweise einander zuwiderlaufenden Kriterien für den perfekten Einsatz von Tageslicht allesamt unter einen Hut zu bringen, scheint jedoch geradezu aussichtslos. Es gibt allerdings Systeme, die immerhin intelligent auf wechselnde Anforderungen reagieren. Ein Beispiel hierfür ist die Sonnenschutzsteuerung des Anbaus der Nationalbibliothek in Leipzig. Das System von Somfy reagiert auf die drei Parameter Sonne, Wind und Regen, so dass bei letzteren beiden die Fassadenbehänge komplett nach oben gefahren werden. Bei Sonne erfasst hingegen die Sensorik die Lichtstärke und bringt die Behänge in eine Position, welche für die Situation optimale Sichtverhältnisse gewährleistet.

 

Licht richtig verteilen

Neben solch elaborierten Systemen können auch einfache Maßnahmen intelligente Lösungen bieten. Die Firma Schlotterer Sonnenschutzsysteme etwa stellt spezielle Raffstores her, die durch eine besondere Kantung mit dem äußeren Teil der Lamellen die Sonnenstrahlen zurück in den Himmel und mit dem innenliegenden Teil diffuses Licht an die Decke bis tief in den Raum lenken. Blenden und Überhitzung wird so trotz guter Belichtung unterbunden. Leider schränken Raffstores, ähnlich wie auch die Behänge in der Nationalbibliothek, zu einem gewissen Grad die Sicht ein.

 

Einfach dimmen?

Eine stets transparente Alternative bieten dimmbare Fensterscheiben, wie sie etwa die Plauener Firma EControl-Glas herstellt. Im Gegensatz zu normalem Sonnenschutzglas wird hier nicht stets gleichviel Sonnenstrahlung am Durchdringen gehindert, was zum Beispiel im Winter nachteilig ist, sondern je nach Bedarf nur zu einem gewissen Grad. Dank einer nanostrukturierten Beschichtung lässt sich das Glas manuell oder automatisch durch blaues Einfärben abdunkeln. Eine volle Dimmung bedeutet dabei auch quasi eine komplette Dämmung gegen die Hitze sommerlicher Sonneneinstrahlung. Im Winter lässt sich hingegen ungedimmt die volle Strahlung der Sonne nutzen.

 

Optimal, aber nicht perfekt

Egal, wie gut die Lösungen sind, keine ist letztendlich perfekt. Auch das dimmbare Glas hat seine Schwächen, denn letzten Endes führt die Blaufärbung zu Helligkeitsverlust und Farbverfälschung. Das Optimum bleibt also stets nur der bestmögliche Zustand im Kontext seiner Widrigkeiten, und so lassen sich zwar manche Widersprüche miteinander vereinbaren, aber nicht alle auf einmal. Natürliches Licht mit der stets richtigen Temperatur und Helligkeit wäre am Ende eben auch nicht mehr natürlich.


 

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