Das Plusenergie-Wohngebäude – der Standard der Zukunft?

2. Januar 2017

Europas größtes Plusenergiehaus wurde 2015 in Frankfurt fertiggestellt. Es erstreckt sich über eine Länge von 150 Metern und bietet Platz für 74 Wohneinheiten. Das Besondere an dem Wohnkomplex ist, dass er mehr Energie erzeugt, als die Bewohner benötigen. Dies geschieht durch insgesamt 1.000 Photovoltaik-Module, die auf dem Dach und der Südfassade des Gebäudes angebracht sind. In diesem Beitrag erfahren Sie, was ein Plusenergiehaus definiert und welche Vorteile es hat.

 

Plusenergie Wohngebäude

© Constantin Meyer, http://www.dgnb.de/fileadmin/de/dgnb_ev/Aktuell/Pressemitteilungen/2016/AKTIV_STADTHAUS_Copyright_ConstantinMeyer.jpg?m=1472807425

 

Abgrenzung zu Passivhaus und Niedrigenergiehaus

Dank der technischen Entwicklung können nicht nur Neubauten, sondern auch Bestandsbauten den Plusenergiehaus-Standard erreichen. Bei einem Passivhaus steht die radikale Senkung des CO2-Ausstoßes im Vordergrund. Eine effiziente Wärmedämmung in Verbindung mit einer Lüftungstechnik stellen grundlegende Komponenten dar. Die Heizkosten reduzieren sich sehr stark, da die erzeugte Wärme im Gebäude bleibt.

 

Das Niedrigenergiehaus geht einen Schritt weiter. Hier müssen Bauherren und Planer die Vorgaben der geltenden Energieeinsparverordnung einhalten. Sie kombinieren die Wärmedämmung an Fassade und Dach beispielsweise mit einer Dreifach-Isolierverglasung, einer Wärmepumpe und Solarthermie für die Warmwasserzubereitung. Damit sinkt der Energieverbrauch weiter und tendiert gegen Null.

 

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Häuser mit Energieplus

Das Plusenergiehaus verbindet alle genannten Elemente mit einer Photovoltaikanlage zur Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie. Damit generiert das Gebäude mehr Energie als es für Heizung, Warmwasseraufbereitung und Strom braucht. Als Rechenwert gilt der jährliche Primärenergiebedarf.

 

Die PV-Module werden auf einem großflächigen Dach installiert, das in Lage und Ausrichtung den besten Nutzen der Sonneneinstrahlung ermöglicht. Bei dem erwähnten Aktiv-Stadthaus in Frankfurt handelt es sich um ein Pultdach mit Südausrichtung. Tagsüber erzeugt das Photovoltaik-System Strom. Die Überschüsse werden gespeichert oder direkt ins Netz eingespeist und zu einem festen Preis vergütet. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bestimmt die Höhe der Einspeisevergütung. Den Strom, den die Bewohner der Immobilie benötigen, können sie zu vergünstigten Preisen aus dem Netz beziehen.

 

Eine kompakte Bauweise sowie eine wärmebrückenfreie Dämmung sorgen beim Energiesparhaus für eine optimale Abdichtung des Gebäudes. Außerdem kommen natürliche Baustoffe zum Einsatz. Die Wärmepumpe nutzt die aus Erdreich, Luft oder Grundwasser gewonnene Wärme für die Heizung oder das Warmwasser.

 

Da helle Räume und Tageslicht sehr wichtig für das Wohlbefinden der Bewohner sind, konstruieren Architekten die Plusenergiehäuser mit großen Fensterfronten. Eine infrarotreflektierende Dreifach-Isolierverglasung hält die Wärme im Haus. Ein verlängertes Dach schützt die Räume vor Überhitzung im Sommer, im Winter reichen die tieferliegenden Sonnenstrahlen, insbesondere auf der Südseite, ins Gebäude.

 

Vorteile des Plusenergiehauses

Die bedeutendsten Pluspunkte liegen im Ressourcen- und Klimaschutz. Kohlendioxid entsteht bei der Verbrennung fossiler Energieträger. Zu viel dieses Gases in der Atmosphäre führt zur Erderwärmung, die das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt. Viele Häuser werden jedoch mit Öl- oder Gasheizungen betrieben, 35 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland entfallen auf Bauen und Wohnen.

 

Politik und Wirtschaft arbeiten deshalb seit Jahrzehnten daran, die CO2-Emissionen dauerhaft zu senken und erneuerbare Energiequellen zu erschließen. Das Plusenergiehaus ist daher ein nachhaltiges Baukonzept, da keine fossilen Brennstoffe notwendig sind, natürliche und nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen und Schadstoffe vermieden werden.

 

Auch in finanzieller Hinsicht hat das Plusenergiehaus Vorteile. Durch die ausgezeichnet gedämmte bauliche Hülle sind die Heizkosten niedrig. Gleichzeitig generieren die Eigentümer der Immobilie mit der Solarstromerzeugung Nebeneinnahmen. Die höhere Investition für die PV-Anlage, die Wärmedämmung, die Spezialverglasung und die Lüftungstechnik amortisieren sich innerhalb kurzer Zeit. In Kombination mit energiesparender Beleuchtung und der Verwendung von A+++-Geräten sinken der Stromverbrauch und damit die laufenden Kosten des Plusenergiehauses ebenfalls.

 

Ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

Plusenergiehäuser sind heute für eine Vielzahl von Gebäudeformen und -nutzungen möglich: Egal ob Ein- und Mehrfamilienhäuser, Wohnungs- und Gewerbebau, Hotels, Schulen oder Ausstellungsgebäude. Sie verwenden erneuerbare Energiequellen zur Stromerzeugung und stellen durch die verbaute Dämmung und Technik sicher, dass ihr Energiebedarf niedrig bleibt. In Zukunft werden mehr Immobilien dieser Art entstehen, da sie aktiv zum Klimaschutz beitragen.

 


 

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