Studie zum Megatrend Digitalisierung: Die Baubranche muss aufholen

19. Dezember 2017

Die Digitalisierung revolutioniert ganze Wirtschaftszweige. Auch die Baubranche ist sich der Bedeutung des „Megatrends 4.0“ bewusst. 93 % der Unternehmen glauben laut einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, dass neue Informations- und Kommunikationstechnologien Geschäftsprozesse ganzheitlich und nachhaltig beeinflussen werden. Die Konsequenzen ziehen bislang allerdings nur wenige. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie  von Roland Berger über die Digitalisierung der Bauwirtschaft. Ihr Appell: Die Branche muss aufholen. Wie sie das schafft, geben die Unternehmensberater gleich mit auf den Weg.

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© fotolia / wladimir1804

 

Handlungsbedarf für alle

Die Digitalisierung betrifft Konzerne, Mittelständler, kleine Unternehmen, Generalisten und Spezialisten gleichermaßen und greift in alle Unternehmensbereiche ein. Dabei gestaltet sich die Umstellung der Geschäftsprozesse in der Branche unterschiedlich. Baustoffhersteller setzen mit „Industrie 4.0“ bei der Produktion an. Architekten, Bauingenieure und Bauunternehmen setzen immer häufiger auf BIM als Planungsmethode. Für den Baustoffhandel gehört die Zukunft dem Online-Handel. Was alle drei Akteure eint: Der gute Wille ist vorhanden, aber bei der Umsetzung hapert es. Die Umfragen im Rahmen der Studie ergaben beispielsweise, dass weniger als 6 % der Bauunternehmen aus der Region DACH konsequent digitale Planungsmethoden nutzen. 100 % glauben, ihre Digitalisierungspotenziale nicht ausgeschöpft zu haben.

 

Starke Hebelwirkung

Vier „Hebel“ wirken auf die digitale Transformation ein:

 

  • Die Erhebung und Auswertung von digitalen Daten
  • Der Einsatz neuer Technologien zur Automation
  • Die Synchronisation von Aktivitäten in Netzwerken
  • Der – mobile – digitale Zugang zu Internet und internen Netzen.

 

Das Entscheidende: Jeder dieser Hebel kann auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette ansetzen. Bei der Logistik von Baustoffherstellern z.B. im Bereich Warenfluss, bei der Bauausführung von Bauunternehmen z.B. im Bereich Qualitätsmanagement. Die Experten sehen enorme Potenziale, um u.a. die Produktivität zu steigern – aber auch eine große Herausforderung für die Akteure. Eine Umfrage im Top-Level-Management zeigt jedoch, dass diese Potenziale noch nicht in allen Abteilungen hinreichend erkannt und ausgeschöpft werden. Vor allem in den Bereichen Beschaffung und Produktion fehlt es noch an Bewusstsein für Vorteile abseits der Automation. Insgesamt wird noch nicht erkannt, dass alle Hebel der Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette bedeutsam sind.

 

Keine der befragten Firmen konnte einen Unternehmensbereich oder eine Abteilung vorweisen, in der die Digitalisierung weit umgesetzt wurde. Das Problem: Oft fehlen passende Ansätze, um das Digitalisierungspotenzial maximal auszuschöpfen.

 

Innovative Tools und Techniken

Mögliche Ansätze aufzuzeigen, ist ein Ziel der Studie. Schon jetzt stehen für die Baubranche eine Vielfalt an Methoden und Instrumenten zur Verfügung, um auf allen Stufen der Wertschöpfungskette von den Vorteilen des „Bauen 4.0“ zu profitieren. Digitale Technik übernimmt dabei eine neue Rolle. Sie unterstützt oder beschleunigt nicht nur mehr Geschäftsprozesse, sondern verändert diese zum Teil grundlegend. Die Autoren arbeiten 8 zentrale Bereiche heraus und liefern zahlreiche Beispiele für den erfolgreichen Einsatz digitaler Technik.

 

  1. Elektronische Ausschreibungen sind transparenter und effizienter. Daher werden sie schon bald zum Standard.

  2. Digitale Plattformen zur Beschaffung sparen nicht nur Zeit und Geld. Sie optimieren auch die Zusammenarbeit mit Lieferanten.

  3. Intelligente Baustellenlogistik lässt dem Bauarbeiter mehr Zeit für produktive Tätigkeiten.

  4. Immer komplexere Bauvorhaben verlangen nach Drohnen, Baurobotern, 3D-Lasern und -Druckern sowie mobiler Cloud-Software, um u.a. die Produktivität zu erhöhen und Qualität zu garantieren.

  5. Die Umstellung auf Produktion 4.0 bei Bauzulieferunternehmen sorgt für eine verbesserte Qualität und individualisierte Prozesse.

  6. Ein digitaler Vertrieb ermöglicht direkteren, exakteren Service und stärkt die Kundenbindung.

  7. After-Sales-Tools bieten Mehrwert für alle.

  8. BIM wird für alle Baubeteiligten bald zum Standard-Tool.

BIM als Standard am Bau

BIM macht fast alles möglich. Einer der größten Vorteile ist, dass bereits im Vorfeld des Baus eine digitale Simulation des Projekts entsteht. Dadurch minimiert BIM Fehlplanungen, erlaubt schnelle Kalkulationen, beziffert Mehrkosten und zeigt Alternativen auf. Fehlendes BIM-Know-how könnte in naher Zukunft zu einem signifikanten Wettbewerbsnachteil werden – was laut der Studie viele der Akteure offensichtlich noch nicht so sehen. Gleichzeitig werden Reichweite und Relevanz des Themas BIM unterschätzt.

 

Die Autoren der Studie erwarten nicht nur eine Modifikation der Entscheiderstrukturen. Auch eine Verschiebung der Bautätigkeit von der Baustelle in die Industrie halten sie für möglich. Sicher ist, dass BIM die Menge der Produktdaten vervielfachen wird. Wer diese Daten gewinnbringend analysiert, nutzt das gesamte Potenzial der digitalen Entwicklung.

 

“Es gibt keine Alternative zur Digitalisierung. Auch nicht auf dem Bau”, so das Fazit. Unternehmen, die sich nicht um Digitalisierung kümmern, begehen einen Fehler. „Construction 4.0“ bietet den Akteuren in der Bauindustrie eine Vielzahl von Ansätzen, die Produktivität zu steigern. Welche das sind, können Sie in der ungekürzten Version der Studie in aller Ausführlichkeit nachlesen.

 


 

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