Welchen Nutzen das digitale Projektmanagement im Ingenieurbau bietet

8. Juni 2017

Die Arbeitsmethode des Building Information Modeling (BIM) gewinnt immer größere Bedeutung in der Baubranche. In Ländern wie den USA und Großbritannien gehört diese Vorgehensweise längst zum Standard. Die zahlreichen Vorteile für ein digitales Projektmanagement liegen dabei auf der Hand. Welche das sind, erfahren Sie in diesem Beitrag.

 Digitales Projektmanagement im Ingenieurbau

© E.ON Kraftwerk Zolling, Architekt: Boesel Benkert Hohberg Architekten, Tragwerksplaner: MUCKINGENIEURE, Foto: Henning Koepke


Projektmanagement: qualitativ, termingerecht und im Kostenrahmen

Die Verwaltung von Projekten jeglicher Art existiert in vielen Branchen. Dabei gliedert sich das Projektmanagement als Aufgabe in die Projektdefinition, die Projektdurchführung und den Projektabschluss. Jeder einzelne Arbeitsschritt innerhalb dieser Bereiche soll dazu dienen, das Projekt richtig zu planen und zu steuern, Chancen zu nutzen und Risiken zu begrenzen. Darüber hinaus liegen Schwerpunkte auf der Qualität, einer effizienten Zeitplanung und der Einhaltung des Kostenrahmens. 

 

BIM als Form des digitalen Projektmanagements

Digital wird das Projektmanagement, wenn Software und IT-Strukturen die Arbeitsgrundlage bilden. Dies ist der Fall bei BIM. Es handelt sich bei BIM um eine Arbeitsmethode, die weit über die Konzeption von Gebäuden in 3D hinausgeht. Das 3D-Modell beinhaltet beispielsweise Objektattribute und die einzelnen Bauteile können in Relation zueinander gesetzt werden. Wenn sich ein Architektur- oder Ingenieurbüro entscheidet, auf BIM umzusteigen, ergeben sich für den Arbeitsablauf zahlreiche Vorteile.

 

Vereinfachte Planung und Massenschätzung

Dank BIM können Fachplaner und Architekten gemeinsam an einem 3D-Modell arbeiten. So lassen sich Kollisionen, beispielsweise zwischen Haustechnik und Tragwerk, bereits in der Planungsphase anhand der virtuellen Version feststellen – und nicht erst auf der Baustelle. Das Ingenieurbüro MUCKINGENIEURE ist bereits vor einigen Jahren auf BIM umgestiegen. Der Inhaber Walter Muck berichtet aus seiner Erfahrung: „Aufgrund der dreidimensionalen Darstellung [können] wir Kollisionen besser kontrollieren und komplizierte Geometrien leichter beurteilen.“

 

Bei einem Projekt für E.ON war es für ihn ein immenser Vorteil, die Planung der Massivbauteile, ob Ortbeton oder Fertigteil, in 3D durchzuführen. Auch die Massenschätzung und -ermittlung ist mithilfe von BIM in wenigen Klicks erledigt – händische Eintragungen in XLS-Tabellen werden überflüssig. Das wirkt sich auch positiv auf das Verhältnis zwischen Arbeitsleistung und Ergebnis aus: „Wir schätzen im Büro die Effektivitätssteigerung nach der erfolgreichen Einführung von BIM auf 30 bis 35 Prozent, bei bestimmten Teilaufgaben wie Stahlmassenschätzung und -ermittlung sogar auf 85 bis 90 Prozent“, so Muck.

 

Was denkt die Baubranche über BIM? 11 Fakten zu BIM in der Praxis.

 

Dezentrale Zusammenarbeit und effizientes Informationsmanagement

Die zunehmende Digitalisierung verändert auch in der Baubranche die Arbeitsweise. Es ist möglich, von verschiedenen Standorten aus über Internet in Verbindung zu bleiben und gemeinsam an Dateien zu arbeiten. Dieser Vorteil erstreckt sich auch auf BIM. Beispielsweise können mehrere kleinere Büros ein gemeinsames, größeres Projekt planen und dafür ein dezentrales digitales Projektmanagement nutzen.

 

Ein weiteres wichtiges Element bei BIM bildet die zentrale Verwaltung von projektrelevanten Informationen. Digital hinterlegte BIM-Objekte der verschiedenen Hersteller, wie Türen, Fenster oder Sanitäranlagen, können Fachplaner in das 3D-Modell einbinden und mit Attributen versehen. Walter Muck meint dazu: „Ich könnte mir keine effektive 3D-Planung ohne die IBD Planungsbibliothek von Allplan vorstellen. Wir bieten unseren Kunden jetzt auch ein Rohbau-Leistungsverzeichnis mit an. Das hätten wir früher nie gemacht.“ Die Informationen bleiben selbst über den Bau hinaus für die Nutzung der Anlagen und Gebäude digital verfügbar.

 

Der Weg zum digitalen Projektmanagement

Die Einführung eines digitalen Projektmanagements mag zunächst mit hohen Investitionen verbunden sein, beispielsweise für Hardware, Software und Training. Mittel- und langfristig werden sich diese jedoch auszahlen: Die Abläufe im Büro verbessern sich, der Daten- und Informationsaustausch läuft einfacher ab und die Zahl der Planungsfehler sinkt drastisch. Der Umstieg eines Unternehmens auf BIM muss jedoch ganzheitlich geschehen. Er erfordert einen „Bewusstseinswandel“, wie Walter Muck es definiert. Lesen Sie im vollständigen Interview, wie sein Ingenieurbüro erfolgreich den Weg zum digitalen Projektmanagement eingeschlagen hat.  

 


 

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