Die BIM-Entwicklungsstufen im Überblick - Teil 1

27. November 2017

Building Information Modeling ist etwas, mit dem sich alle Angehörigen der Baubranche früher oder später auseinandersetzen müssen. Man weiß oder hört zumindest immer wieder, dass es irgendwann nicht mehr ohne BIM gehen wird. Vielfach herrscht jedoch noch Unklarheit darüber, was genau BIM eigentlich ist. Völlig verwunderlich ist das nicht, denn BIM ist nicht unbedingt gleich BIM. Vielmehr ist der Weg zu „Big BIM“ ein evolutionärer Prozess, der in Stufen erfolgt. In unserer Miniserie stellen wir zwei bekannte Stufenmodelle vor, die erklären, welche Form BIM je nach Entwicklungsstufe annimmt. Den ersten Teil bildet das UK Maturity Model.

 BIM-Entwicklungsstufen

© fotolia / wladimir1804

 

Im jungen NBS International BIM Report 2016 gab die Mehrheit der befragten Fachleute aus fünf verschiedenen Ländern an, sie wünschte sich von der Branche eine größere Klarheit darüber, was BIM eigentlich genau sei. Das Problem dieser Unklarheit liegt zum einen darin, dass BIM sich völlig unabhängig von seiner Entwicklungsstufe immer als BIM bezeichnet, obwohl jede höhere Stufe fundamentale Veränderungen zur vorherigen aufweist. Zum anderen gibt es aber auch nicht etwa nur ein einzelnes Stufenmodell, auf das die verschiedenen Länder oder gar die Branche in ihrer Gesamtheit einheitlich zurückgreifen würden. Dennoch eignen sich Stufenmodelle dazu, Licht ins BIM-Dunkel zu bringen.

 

UK Maturity Model

Das wohl bekannteste Stufenmodell ist das UK Maturity Model oder Bew-Richards-Modell (benannt nach seinen Urhebern), das aufgrund seiner keilförmigen schematischen Darstellung auch unter dem Namen „The Wedge“ bekannt ist. Entwickelt wurde es 2008 von der regierungsfinanzierten UK BIM Task Group, um die britischen Regierungspläne für die landesweite Integration von BIM voranzutreiben. So stellen die einzelnen Entwicklungsstufen nicht bloß theoretische Meilensteine in der Entwicklung von BIM dar, sondern auch von der Gesetzgebung definierte Ziele, die es zu bestimmten Zeitpunkten zu erreichen gilt. Darüber hinaus wird es häufig auch von Drittparteien in spezifizierter Form genutzt – etwa in den technischen Leitfäden von BuildingSmart.

 

Was denkt die Baubranche über BIM? 11 Fakten zu BIM in der Praxis.

 

Stufen null bis eins

Das Modell beschreibt vier Stufen (levels) von null bis drei. Im Detail wurden und werden diese seit 2008 immer wieder verändert und an aktuelle Entwicklungen im Vereinigten Königreich angepasst. Die groben Kernpunkte sind jedoch noch immer die gleichen. So beschreibt Stufe null den Zustand vor bzw. ohne BIM. Er zeichnet sich durch eine fehlende Kollaboration zwischen den am Bau beteiligten Parteien, die Nutzung von CAD für 2D-Zeichnungen sowie durch die Ausgabe und Verteilung von Informationen in Form von Papier oder elektronischen Drucken aus.

 

Auf Stufe eins kommt 3D-CAD für konzeptuelle Arbeit ins Spiel. 2D-CAD wird weiterhin für die Zulassungsdokumentation und Fertigungsinformationen verwendet. Zum Austausch elektronischer Daten wird hier bereits ein gemeinsames Datenumfeld (common data environment, CDE) genutzt, wobei jedoch keine Modelle unter den verschiedenen Akteuren ausgetauscht werden. Diese Stufe wird häufig, wenn auch nicht im Stufenmodell selbst, mit dem durch Finith Jernigan geprägten Begriff „little bim“ gleichgesetzt.

 

Stufen zwei bis drei

Auf Stufe zwei nimmt die Kooperation an Fahrt auf. Zwar arbeiten alle Parteien an ihren eigenen 3D-Modellen, doch tauschen sie nun ihre Informationen in einem gemeinsamen Dateiformat aus, sodass jede Partei die geteilten Informationen mit ihrem eigenen Modell abgleichen und auf Widersprüche hin überprüfen kann. Dementsprechend muss die CAD-Software jeder Partei in der Lage sein, in das gemeinsame Datenformat (zum Beispiel IFC) zu exportieren.

 

Stufe drei ist das hehre Ziel, das den gesamten Bauprozess grundlegend verbessern wird: die volle Kollaboration zwischen allen an einem Projekt beteiligten Parteien. Hier arbeiten alle Projektbeteiligten, egal von wo, in Echtzeit an einem einzigen (stets aktuellen) Modell, welches an einem zentralisierten Speicherort abgelegt ist. In diesem „Open BIM“ ist das Risiko widersprüchlicher Informationen gleich null. Diese Stufe wird oft (jedoch nicht in diesem Stufenmodell) auch als „BIG BIM“ (nach Jernigan) bezeichnet.

 

Kritik und Ausblick auf Teil 2

Kritisiert wird das UK Maturity Model unter anderem von Bilal Succar, der an der University of Newcastle Australia zu BIM forscht. Ihm zufolge handelt es sich bei dem Stufenmodell, anders als der Name vorgibt, um kein wirkliches Reifegradmodell, das zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit (von Personen, Organisationen oder Teams) in Sachen BIM tauge. Vielmehr sei es ein Kompetenzmodell und Industrieleitfaden, der die Erfüllung bestimmter Normen vorgebe. Im Detail ist „The Wedge“ zudem ein landesspezifisches und daher nicht auf die gesamte Branche anwendbares Modell. Ein universelleres, forschungsbasiertes Stufenmodell stellen wir im zweiten Teil unserer Serie vor.

 


 

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