BIM beim Landratsamt Waiblingen

8. Februar 2023

Das Landratsamt Waiblingen erhält einen Erweiterungsneubau, der sowohl konzeptuell als auch planerisch den Zeitgeist trifft. 

Öffentliche Gebäude waren schon immer – unter anderem, da steuerfinanziert – von besonderem Interesse für die Öffentlichkeit. Der Druck dieser Aufmerksamkeit ist in den letzten Jahren jedoch noch einmal insofern gestiegen, als Klima- und Umweltaspekte neben ästhetischen und wirtschaftlichen Belangen nun verstärkt in den Fokus treten. Ein Architekturbüro, das hervorragend mit diesem Druck umgehen kann, sind a+r Architekten (ehemals Ackermann+Raff) mit Sitz in Stuttgart und Tübingen. Ein aktuelles Beispiel dafür bietet ganz aktuell deren Erweiterungsneubau für das Landratsamt Waiblingen. Hinter (und in) dessen ansprechender Fassade verbirgt sich ein Hybridbau, der wichtige ökologische Gesichtspunkte wie erneuerbare Energien, E-Mobilität und Regenwassermanagement integriert. Geplant wurde er unter Anwendung der BIM-Methode – mit Allplan.

210226_Perspektive1_NEU© a+r Architekten


Ladestationen und Brettschichtholzdecken

Der rund 17.000 Quadratmeter Bruttoraumfläche umfassende Erweiterungsbau setzt sich im Großen und Ganzen aus zwei Teilen zusammen, die sich sowohl konstruktiv als auch funktionell voneinander unterscheiden. Den ersten Teil bilden drei Untergeschosse, die (bis auf die nichttragenden Wände aus Mauerwerk) in WU-Stahlbeton ausgeführt sind. Hier befindet sich in erster Linie eine öffentliche Tiefgarage mit 216 Stellplätzen, 96 davon mit Ladestationen. Zugleich umfassen das erste und zweite UG noch eine Mobilitätszentrale und eine Technikzentrale.

 

Darüber befindet sich oberirdisch der eigentliche fünfgeschossige Verwaltungsbau. Das Rückgrat des Gebäudes bilden aussteifende Treppenhaus- und Aufzugskerne aus Stahlbeton sowie ebenfalls aussteifende Betondecken in der Kernzone. Die Bürozone zwischen letzterer und der Fassade besteht aus Brettschichtholzdecken, die im Fassadenbereich von Holzstützen getragen werden. Aus schallschutztechnischen Gründen sind die Holzdecken zusätzlich mit einem Recyclingbeton beschichtet. Nichttragende Wände werden als Holzsystemtrennwände ausgeführt.

210226_Perspektive2_NEU© a+r Architekten


Funktionelle Gliederung in Drei-Zonen-Modell

Die funktionelle Gliederung des Verwaltungsteils folgt einem Drei-Zonen-Modell aus öffentlichen und nichtöffentlichen Bereichen sowie halböffentlichen Beratungszonen. Zum öffentlichen Bereich gehören ein großzügiges Foyer sowie eine offene Besucherzone, die sich mit offener Treppe über alle Stockwerke erstreckt. Die rund 300 Angestellten arbeiten in einer weitgehend offenen Bürostruktur, was Verkehrsflächen minimiert. Ihnen ist auch eine große Cafeteria im Erdgeschoss vorbehalten, die zugleich als ganztägig nutzbarer Sozialraum für informelle Besprechungen und dergleichen dient.

210226_Perspektive4_-_S+D_Planung_NEU© a+r Architekten


Photovoltaikelemente und Retentionsdach

Neben der bereits erwähnten Stärkung von E-Mobilität durch zahlreiche Ladestationen in den Untergeschossen nehmen sich a+r Architekten in ihrem Entwurf auch der Themen erneuerbare Energien und Regenwassermanagement an. So wechseln sich in der Fassade vom ersten bis zum dritten Obergeschoss großflächige Photovoltaikelemente (unregelmäßig) mit den bodentiefen Fenstern ab. Automatische Raffstores mit Tageslichtlenkung sorgen für ausreichend Sonnenschutz.

Im zurückversetzten und großzügig verglasten obersten Geschoss sind die geschlossenen Elemente hingegen mit farbig emailliertem Glas verkleidet. Dafür bildet hier das Dach eine Besonderheit. Dieses ist als Retentionsdach ausgeführt, das dank einer eingebauten Speicherebene oberhalb der Abdichtung über die gesamte Fläche Regenwasser rückstauen kann. Darüber befindet sich Substrat mit einer Pflanzenebene. Die Hauptentwässerung erfolgt innenliegend, die Notentwässerung über die Fassade.

210226_Perspektive5_-_S+D_Planung_NEU© a+r Architekten


Planung unter Anwendung von BIM

Die Planung des Landratsamts wurde unter Anwendung von der BIM-Methode durchgeführt. Dabei entstand ein digitales 3D-Modell, das neben der Geometrie und zahlreichen Bauteilinformationen unter anderem detaillierte Modellierungen der verschiedenen Teilbereiche der TGA enthält, was dem Gebäudebetrieb und zukünftigen Wartungsarbeiten enorm zugutekommen dürfte. Für die Erstellung des Architektenmodells verwendeten a+r Architekten Allplan.


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