„Heavy Metal“: Schiffscontainer-Architektur

25. Januar 2018

Fertig und zur kreativen Verarbeitung bereit: Schiffscontainer sind wie große Legosteine, die mit ihrer modularen Einförmigkeit und Funktionalität oft die Fantasie verspielter Architekten anregen. Als Konsequenz haben die um die Welt reisenden Stahlbehälter in den letzten Jahren so manch neues (bauliches) Gesicht erhalten. Und auch das ein oder andere kühnere Gedankenspiel vermochte, wenn auch nie verwirklicht, als Entwurf für Aufsehen zu sorgen.

 

Steel City, Container Skyscraper

© CRG; Steel City, Container Skyscraper

 

Robust, belastbar, witterungsbeständig und leicht zu transportieren – klingt nach einer guten baulichen Lösung, auch wenn der ursprüngliche Zweck ein anderer war. Kein Wunder also, wenn Architekten in Schiffscontainern statt Behältern für Güter modulare Räume für Menschen sehen. So findet man sie immer mal wieder auf kreative Weise zu Architektur transformiert.

 

Funktional: Weingut Devil’s Corner

Oftmals ist es neben den bautechnischen Eigenschaften die industrielle Ästhetik, die Schiffscontainer für Architekten interessant macht. Nicht so jedoch im Fall von Devil’s Corner. Der Eingang zum Weinkeller des tasmanischen Weinbergs samt Food Market besteht aus zehn wiederverwendeten Containern, denen man ihre frühere Funktion nicht mehr ansieht. Die Wahl der Architekten von Cumulus Studio fiel zum einen aufgrund der Abgeschiedenheit von Devil’s Corner aus Transport- und Zeitgründen auf die vorgefertigten Module, zum anderen wegen deren struktureller Integrität sowie der dem Stahl eigenen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Die eigentliche Stahlhülle ist unter einer Holzverkleidung versteckt. Nichtsdestotrotz ergibt sich aus den Containern eine höchst markante und eigenwillige Architektur.

 

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© Tanja Milbourne; Devil's Corner

 

Maritime Erschließung: Urban Rigger

Beim Projekt „Urban Rigger“ nahm sich die Bjarke Ingels Group (BIG) des Problems mangelnden studentischen Wohnraums in Dänemark an. Die Idee: ungenutzte Flächen in den Häfen erschließen und sich dabei gleichzeitig eines für den Gütertransport entwickelten Systems bedienen. In der Praxis bedeutet dies eine Erschließung von Wohnraum auf dem Wasser, und zwar in Form eines Hausboots, bestehend aus Schiffscontainern. Das resultierende schwimmende Studentenwohnheim in Kopenhagen umfasst neun kreisförmig angeordnete, zweigeschossig übereinander gestapelte Container, die insgesamt 15 Studentenwohnungen zur Verfügung stellen. In der Mitte des Kreises befindet sich ein Gemeinschaftsbereich in Form eines Wintergartens. Das äußere Erscheinungsbild des Wohnheims passt natürlich perfekt zum Hafensetting.

 

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© Laurent de Carniere

 

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© DJI

 

„Hochstapelei“: Steel City – Container Skyscraper

2015 lobte SuperSkyScrapers in Mumbai einen Ideenwettbewerb aus, mit dem Ziel, Lösungen für Wohnungsmangel in dicht besiedelten Gebieten rund um die Welt auf Grundlage von Schiffscontainern zu entwickeln. Während der Siegerentwurf von Ganti & Associates weitgehend unbemerkt blieb, sorgte hingegen der drittplatzierte Eintrag von CRG Architecture Consultants weltweit für Aufsehen. Ganz verwunderlich ist dies nicht, handelt es sich doch immerhin um zwei vierhundert und zweihundert Meter hohe Türme mit 139 und 78 Geschossen.

 

Steel City, Container Skyscraper

© CRG; Steel City, Container Skyscraper

 

Der Rechnung von CRG nach könnten die beiden Containerwolkenkratzer auf 105,076 Quadratmetern 1,400 Familien bzw. 5,000 Menschen in Mumbais Dharavi-Slum – dem größten Slum Asiens – unterbringen. Die „Containscrapers“ bestünden insgesamt aus rund 4,600 Containern, welche sich neben 3,982 Wohnmodulen aus leeren Strukturen und Containern mit Wassertanks zusammensetzten. Da je nach Art der Module maximal acht oder neun übereinandern gestapelt werden können, würden die Türme zudem eine zusätzliche tragende Struktur aus Beton benötigen.

 

Steel City, Container Skyscraper

© CRG; Steel City, Container Skyscraper

 

Fazit

Schiffscontainer-Architektur hat ihren eigenen Reiz und kann je nach Kontext eine sinnvolle Lösung sein. Mobilität, Recycling oder auch – im maritimen Umfeld – Ästhetik mögen als Gründe für ihren Einsatz ins Feld geführt werden. In Dimensionen einer „Steel City“ dürfte diese Architektur jedoch wohl eher reines Gedankenspiel bleiben – wenn auch in spektakulären Bildern.



 

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