Glanz, Gesänge und Gefühle – moderne Stadion-Architektur

6. September 2018

Sportliche Großveranstaltungen sind internationale Medienereignisse. Immer prominent im Bild: die Stadion-Architektur. Kein Wunder also, dass moderne Stadien Prestigeobjekte des ausrichtenden Landes sind. Häufig werden Sportstätten deshalb eigens zum Termin errichtet – hier zeigt der Gastgeber, was in Sachen Stadion-Architektur möglich ist. Die Herausforderungen wachsen dabei stetig. Nicht nur die enormen Größen von bis zu 100.000 Zuschauerplätzen, auch Sicherheitsaspekte, die gewünschte dichte Akustik und Nachhaltigkeitsvorgaben machen die Architektur von modernen Stadien zu Meisterwerken. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen drei außergewöhnliche Beispiele.

 

AT&T Stadium

© Wikimedia Commons / Carol M. Highsmith; AT&T Stadium

Rekordverdächtig: Das AT&T Stadium in Arlington, Texas

Das AT&T Stadium wurde bereits 2009 als „Cowboy Stadium“ erbaut, bis heute steht es für einige Superlative. Die American-Football-Arena ist das Heimstadion der Dallas Cowboys und verpasste 2011 mit 103.219 Zuschauern nur knapp den Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde. Das moderne Stadion hat den größten nicht durch Säulen gestützten Innenraum und verfügt über zwei der größten HD-Bildschirme der Welt, die über 46 Meter breit sind. Hier werden nicht nur Szenen des Spiels, sondern auch Tweets und Bilder der Fans projiziert. Auch sonst folgt die Stadion-Architektur dem amerikanischen „Think Big”-Prinzip: Die zwei Stahlkonstruktionen, die das gesamte Bauwerk umspannen, nehmen die Länge des Empire State Buildings ein. Die Arena verfügt über ein Dach, das bei Bedarf geöffnet werden kann und steil gebaute Ränge, die das Spielfeld möglichst nah erscheinen lassen.

 

© Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=nZo6M1DSVtM

 

Umbaubedürftig: Das Estadio Santiago Bernabéu in Madrid

Das ehrwürdige Heimatstadion von Real Madrid ist nun über 70 Jahre alt und dementsprechend technisch wie räumlich nicht auf dem Stand der Zeit. Lange war die Finanzierung nicht geklärt, im Frühjahr 2018 gab es jedoch grünes Licht für umfangreiche Sanierungsarbeiten. Die Pläne sind spannend: Das Stadion wird um 12 Meter auf rund 57 Meter erhöht und mit einem Dach beinahe ganz verschlossen. Im Innenraum ist eine 360°-Videowand vorgesehen. Die neue Fassade soll mit LED-Technologie ausgestattet werden und weithin sichtbar sein. Die Architektur dient dem Sport, aber nicht nur: In den Komplex wird ein Luxushotel, ein Museum und eine lichtdurchflutete Shopping-Mall integriert. Damit soll das Stadion auch an spielfreien Tagen zum Anziehungspunkt für Besucher werden. Ein Konzept, das bei modernen Stadien immer häufiger eine Rolle spielt.

 

© Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ci--X4cCJ2c

 

Außerirdisch: Das Sankt-Petersburg-Stadion

Wie ein frisch gelandetes Raumschiff liegt das moderne Stadion auf der Krestowski Insel an den Gestaden des Finnischen Meerbusens. Der Entwurf des japanischen Architekten Kishō Kurokawa ist beeindruckend – doch lange musste der Heimatverein Zenit St. Petersburg auf sein neues Fußballstadion warten. Der Bau dauerte 10 Jahre bis 2017 und verschlang am Ende 930 Millionen Euro.

 

Sankt-Petersburg-Stadion (Krestowski-Stadion)

© Wikimedia Commons / Andrew Shiva [CC BY-SA 4.0]; Sankt-Petersburg-Stadion (Krestowski-Stadion)

 

Die 56 Meter hohe Schrägseilkonstruktion kreist um ein verschließbares Dach, was im Hinblick auf das raue Klima vor Ort eine Ganzjahresnutzung ermöglicht. Kühler als 15 Grad Celsius wird es im Innenraum für die 68.000 Zuschauer nicht. Bei der gesamten Stadion-Architektur mussten die hohen Windlasten der Bucht berücksichtigt werden. Das Spielfeld lässt sich bewegen und aus dem Stadion ausfahren, eine aufwendige Konstruktion, wie man sie auch bei der Veltins-Arena (frühere Arena „AufSchalke” in Gelsenkirchen) findet. Das Bauwerk gilt als eines der teuersten, aber auch technologisch modernsten Stadien der Welt.

 

Ökologie mitbedacht: Umnutzungskonzepte für Stadion-Architektur 

Die hier genannten Bauten werden regelmäßig durch ihre Heimatvereine und für andere Veranstaltungen genutzt. Häufig entstehen Stadien jedoch eigens für große Sportereignisse – danach werden sie zu sogenannten „weißen Elefanten”, leerstehenden Riesen. Dies ist im Sinne der Nachhaltigkeit nicht vertretbar, zumal bei Neubauten für sportliche Großveranstaltungen inzwischen LEED-Standards gefordert werden. 

 

© Quelle: https://www.instagram.com/p/qRZHcZF-LN/?taken-by=axeldestampa

 

Ein besonders spannendes Konzept zur Nachnutzung entstand in Brasilien. Der Entwurf „Casa Futebol” des Architekturbüros 1week1project zeigt farbenfrohe Wohncontainer in Stadien. Da die Stromversorgung mit Solaranlagen bereits vorhanden ist, bietet sich die Umnutzung als Wohnanlage durchaus an. Andere Ideen sehen in Stadien „Urban Farming”, Shopping-Malls, Konzerthäuser oder Gefängnisse vor.

 

Besonders praktisch erscheint auch das Konzept des Ras Abu Aboud Stadions in Katar: Dieses Stadion ist modular konzipiert – es kann nach der Fußball-WM verkleinert oder rückgebaut und an anderer Stelle wieder neu erbaut werden. Was genau dahinter steckt und wie das futuristische Stadion aussehen soll, erfahren Sie unserem Blogbeitrag.


 

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