Mehr als nur Bücher: Innovative Bibliotheksarchitektur im digitalen Zeitalter

28. September 2018

Aktuell macht innovative Bibliotheksarchitektur von sich reden. Sie zeigt: Die Funktion der Bibliothek wandelt sich. Aus ehrwürdigen Lesetempeln werden im digitalen Zeitalter attraktive Lern- und Veranstaltungszentren für alle Altersgruppen und Milieus. Moderne architektonische Konzepte tragen dieser Entwicklung Rechnung. Drei prominente Beispiele der modernen Bibliotheksarchitektur stellen wir Ihnen in diesem Beitrag vor.

 

Bibliotheksarchitektur

© Ossip van Duivenbode / MVRDV; Tianjin Binhai Library

 

Dokk1, Dänemerk

Das von Schmidt, Hammer, Lassen Architects entworfene Dokk1 im Hafen von Aarhus wurde 2017 auf dem Kongress IFLA (International Federation of Library Associations and Institutions) zur „besten Bibliothek der Welt“ gekürt. Die Begründung der Jury: Hier sei eine „Bibliothek der Zukunft“ entstanden, die die Bedürfnisse der Nutzer, der lokalen Kultur und der neuen digitalen Möglichkeiten „in einem Raum für alle vereint und eine ansprechende und praktische Struktur für verschiedene Bevölkerungsgruppen bietet“.

 

Bibliotheksarchitektur

© Aarhaus Public Libraries; Dokk1

 

Im Dokk1 steht nicht das Lesen im Mittelpunkt, sondern die spielerische Wissensvermittlung mithilfe neuer Medien. In flexibel möblierten Räumen können Settings für unterschiedliche Lernsituationen realisiert werden, von der Einzelarbeit am PC über Gruppen- und Projektarbeit bis hin zu Vorträgen. Architekt Kim Horst Jelsen beschreibt die Bibliothek als eine „Landschaft“, die den Wissenstransfer erleichtere. Der große Veranstaltungssaal im Zentrum des Gebäudes und das Café sollen das soziale Miteinander fördern. Von hier genießt man einen umwerfenden Blick aufs umliegende Gewässer.

 

Bibliotheksarchitektur

© Aarhaus Public Libraries; Dokk1

 

Temple University Library, USA

Als hochmodernes, technologisiertes Lernzentrum ist auch die Universitätsbibliothek in Philadelphia geplant. Diese wird derzeit von Snøhetta und den Ingenieuren von Stantec realisiert und im Herbst 2018 eröffnet. Ihre Architektur sei „inspiriert von den Lehrstätten der griechischen Antike, in denen soziale Räume zum Austausch von Ideen wichtiger waren als die Lagerung und Archivierung von Büchern“, so Snøhetta über die neue Temple University Library.

 

Bibliotheksarchitektur

© MIR Snøhetta; Temple University Library Philadelphia

 

Mit dem „Bookbot“ genannten innovativen Archivierungssystem ASRS können 90 Prozent des 2 Millionen Bücher umfassenden Bestands digital gespeichert werden. So wird viel Platz frei für Räume, die dem Wissensaustausch und der Kommunikation dienen – etwa ein digitales Lernstudio und ein neues Social Hub für die 37.800 Studenten. Sie werden ergänzt durch eine Eventhalle und Ausstellungsräume.

 

Bibliotheksarchitektur

© MIR Snøhetta; Temple University Library Philadelphia

 

Ein reizvolles Zugeständnis an das Buch wird es dennoch geben: Die oberste Etage der Temple University Library wird ein riesiger, lichtdurchfluteter Lesesaal mit begrünter Dachterrasse sein, in dem 10 Prozent des „papiernen“ Bestands in klassischen Bücherregalen präsentiert werden.

 

Bibliotheksarchitektur

© MIR Snøhetta; Temple University Library Philadelphia

 

Tianjin Binhai Library, China 

Selten hat Bibliotheksarchitektur ein so enormes Medienecho hervorgerufen wie die im Oktober 2017 eröffnete Tianjin Binhai Library. Das Bauwerk in der Küstenstadt Tianjin unweit von Peking stammt vom niederländischen Architekturbüro MVRDV.

 

Bibliotheksarchitektur

© Ossip van Duivenbode / MVRDV; Tianjin Binhai Library

 

Die 33.700 Quadratmeter der Tianjin Binhai Library verteilen sich auf fünf Stockwerke mit Leseplätzen, Computerräumen und Konferenzsälen. Der Innenraum wird von einer riesigen spiegelnden Kugel dominiert dem „Auge“, das als Symbol für Wissen und Neugier steht. Eine terrassenartig angelegte Regal-Landschaft rankt sich an den Wänden empor wie die Ränge in einem futuristischen Fußballstadion. Sie beherbergen die 1,2 Millionen Bücher des Bestands und scheinen wellenförmig vom „Auge“ wegzufließen.

 

Bibliotheksarchitektur

© Ossip van Duivenbode / MVRDV; Tianjin Binhai Library

 

Das traditionelle Anliegen der Bibliothek, die Erweiterung des Horizonts, wird in der neuen Bibliotheksarchitektur auch baulich umgesetzt: mit großzügigen Flächen ohne Wände und organischer, ineinanderfließender Innenraumgestaltung, die bisweilen Anleihen bei der skulpturalen Architektur nimmt. Weniger Bücherregale findet man hier, dafür mehr Platz für multimediales Lernen, Interaktion, Spiel. Die Bibliothek erfindet sich neu und öffnet sich der digitalen Generation.


 

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