Unabhängig und selbstversorgend: Leben in autarken Dörfern

31. Mai 2018

Auf der Erde wird es eng. Pro Sekunde nimmt die Weltbevölkerung um 2,5 Menschen zu. Unser Planet hat über 7,5 Milliarden Bewohner. Rund zehn Milliarden werden es bis 2050 sein. Das ist nicht nur Grund genug, sich Gedanken über die Versorgung und das Zusammenleben in der Zukunft zu machen. Es ist auch ein Anreiz, schon heute innovative Architektur-Konzepte auszuprobieren, die die Probleme von morgen lösen könnten: wie die energieautarke Gemeinde und das komplett selbstversorgende Ökodorf.

 

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© EFFEKT Arkitekter ApS; visionäres Ökodorf ReGen Villages 

 

Hoch gesteckte Ziele

75 bis 80 Prozent weniger CO² als 1990: Das sind die Reduktionsziele für Treibhausgase in Industrieländern bis Mitte des Jahrhunderts. Für Deutschland steckt das Umweltbundesamt die Ziele sogar noch höher. Bis 2050 hält man hierzulande ein treibhausgasneutrales Wirtschaftssystem für möglich. Dafür muss die Energieversorgung umgestellt werden: von fossilen Energien auf nachhaltige, erneuerbare – und von der zentralen Energieversorgung zur energieautarken Gemeinde.

 

Bürger für Bioenergie

2005 entstand in Niedersachsen das erste deutsche „Bioenergiedorf“. Die Gemeinde Jühnde ist Vorreiter in Sachen dezentrale Energieversorgung mit Bürgerbeteiligung. Biomasse wird hier zur Stromerzeugung genutzt und per Kraft-Wärme-Kopplung für Jühnder Haushalte bereitgestellt. Neben Biogasanlagen spielen Windkraft- und Photovoltaikanlagen eine große Rolle. Mittlerweile gibt es 81 energieautarke Dörfer in Deutschland, weitere 150 sind in Planung. Eine aktuelle Studie rechnet damit, dass fast ein Prozent der deutschen Stromerzeugung bis 2020 durch Bioenergiedörfer und energieautarke Kommunen erfolgen wird.

 

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© Claudi; energieautarke Gemeinde Feldheim 

 

Sichtbar autarke Gemeinde

In Feldheim, einem Ortsteil der brandenburgischen Stadt Treuenbrietzen, wurde eines der spektakulärsten Gesamtkonzepte für die dezentrale regenerative Energieversorgung realisiert. Das Dorf produziert Strom und Wärme für seine Bewohner nicht nur komplett selber. Ansässige Unternehmen, Privathaushalte und kommunale Einrichtungen werden auch über das eigene Versorgungsnetz direkt mit der regional erzeugten Energie versorgt. Atomkraft, Kohle und Heizöl sind hier passé. Gegenwart und Zukunft gehören Wind, Sonne, Mais und Gülle. Im Oktober 2010 wurde Feldheim zur ersten energieautarken Gemeinde Deutschlands gekürt – und trägt die Auszeichnung seitdem für jeden Ankommenden sichtbar auf dem Ortseingangsschild.

 

Visionäres Öko-Village

In den Niederlanden wird zurzeit ein visionäres Projekt realisiert: ReGen Villages.

Innovative Architektur und modernste Technik sollen dafür sorgen, dass die zukünftigen Bewohner des Modelldorfs komplett autark sind – von der Energieversorgung bis zur Lebensmittelproduktion. Der US-amerikanische Unternehmer James Ehrlich und das dänische Architekturbüro EFFEKT bauen das anspruchsvoll designte Öko-Village bei Almere in der Nähe von Amsterdam. Gestartet wird mit 25 Wohnhäusern auf rund 15.000 Quadratmetern.

 

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© EFFEKT Arkitekter ApS; visionäres Projekt ReGen Villages 

 

Geschlossener Kreislauf

„ReGen“ steht für regenerativ. Das Konzept baut auf ein komplett geschlossenes Kreislaufsystem und den Einsatz hochmoderner Technologien. Den Strom produzieren die Gebäude – und zwar mehr, als sie verbrauchen. Energiespeicher erhalten den Überschuss. Gewächshäuser in Form von vertikalen Gärten umgeben die Wohngebäude und ermöglichen den ganzjährigen Anbau von Lebensmitteln direkt vor der Haustür. Es gibt ein intelligentes Wassermanagement, nachhaltige Recyclingsysteme und „Aquaponics“, eine flächensparende Mischung aus Fischzucht in Aquakultur und Anbau von Nutzpflanzen in Hydrokultur. Die Erfinder der ReGen Villages möchten durch das effektive Zusammenspiel von Öko-Technologien und Architektur einen Ansatz zur Lösung von Problemen wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Ressourcenknappheit liefern.

 

Architektur leistet wichtige Beiträge zu zukunftsweisenden Formen des Zusammenlebens. Sie ermöglicht die Umsetzung innovativer Versorgungskonzepte und schafft die räumlichen Voraussetzungen für Sozialstrukturen, die Interaktion fördern. Ebenso werden tolle Konzepte für naturnahes Wohnen in urbanen Bebauungen realisierbar.


 

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