Zeitgewinn (Teil 3): „Ineffizienz erhöht das Frustpotenzial“

28. April 2021

Im letzten Interview unserer Zeitgewinn-Reihe erzählt Mario Munz von a|sh architekten unter anderem, wieso Inneffizienz nervt und wie er gewonnene Zeit investiert.

Zeit ist mit das wertvolles Gut. Das verdeutlicht nicht zuletzt das bekannte Sprichwort „Zeit ist Geld“. Nicht selten übersteigt aber ihr Wert sogar den des Geldes, insbesondere dann, wenn mehr davon Dinge ermöglicht, die Geld nicht kaufen kann. In unserer Interviewreihe zum Thema Zeitgewinn reden wir mit renommierten Ingenieuren und Architekten über die Bedeutung von Zeit, Effizienz, Mittel zum Zeitgewinn sowie über die Nutzung gewonnener Zeit. In diesem letzten Interview sprechen wir mit Mario Munz, leitender Architekt bei a|sh.


Herr Munz, was bedeutet freie Zeit für Sie? Welchen Stellenwert hat sie?

Freie Zeit nutze ich sehr gern, um mich von beruflichen Themen zu befreien, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen, sei es der Spaziergang im Wald, an der Vespa schrauben oder einfach das Zusammensein mit der Familie.

Mario1© Campus Zentralklinikum Lörrach, Copyright: a|sh


Wie wichtig ist Effizienz für Sie?

Sehr wichtig, auch im Privaten. Ich bin keiner von denen, die sich für jede Kleinigkeit Zusatzgeräte kaufen, um noch effizienter zu sein. Aber ein geordnetes Grundkonzept ist – auch zu Hause – wesentlich.

Mario2© Campus Zentralklinikum Lörrach, Copyright: a|sh


Welchen Stellenwert hat Ineffizienz im Arbeitsleben?

Sie erhöht das Frustpotenzial. Ineffizienz hat einen passiven, aber wesentlichen Faktor. Aus einem Erfolg, aus gelungenen Projekten, nehmen Sie ja viel positive Motivation mit. Ineffizienz – Doppelplanungen, Fehlerbehebungen, sprich, alles, was nicht läuft – macht das kaputt.


Wie wichtig sind effizient arbeitende und funktionierende Softwarelösungen?

Wir suchen nach Lösungen, die a) effizient sind und darüber hinaus b) einen Mehrwert in der Planung bringen. Wir sind Dienstleister. Mit der Arbeit, die wir erledigen, generieren wir einen Mehrwert für den Bauherrn. Daher ist uns daran gelegen, möglichst fehlerfrei unsere Arbeit umfänglich herzustellen, zu dokumentieren und das Projekt konsequent fertigzustellen. Dann wird es ein erfolgreiches Projekt für den Bauherrn und die Planer. Als a|sh versuchen wir natürlich auch unnütze und sich wiederholende Arbeit stetig zu automatisieren und damit auch die Fehleranfälligkeit, die in diesen Aufgaben liegt, zu minimieren.

Stupide, sich wiederholende Arbeit muss nicht der Mitarbeiter ausführen. Das kann die Software tun. Da ist dann zum Beispiel die Qualitätskontrolle im Projekt wichtiger, als Massen zu ziehen und stupide Türlisten zu erstellen. Daher setzen wir großes Augenmerk auf die 3D-Planung, die Attribuierung etc. Hier greifen Standardisierungen von Prozessen und Vorlagen. Als Architekten werden wir so auch mehr und mehr zu Entwicklern.



Zeitgewinn bedeutet

für mich privat … Wenn ich die Zeit hätte, würde ich meine Vespa gern selbst reparieren. Ich würde mich auch Themen widmen, die nichts mit der Architektur zu tun haben. Ich würde mir private Projekte suchen, die mich abschalten, mich von einem Thema zum nächsten Thema bewegen, mich „switchen“. Außerdem würde ich in die Natur entfliehen und gewonnene Zeit mit den Kindern, der Familie verbringen. Bei sehr viel Zeit – einem halben Jahr vielleicht – würden größere Reisen in verschiedene Länder anstehen, sofern das wieder möglich ist.

im eigenen Job … Mehr Zeit im Job investieren wir in Schulung und Ausbildung. Wir entwickeln neue Themen. Im Job wird solche Zeit in Entwicklungszeit gesteckt, um unsere Leute zu coachen. Das Wortspiel „es einfach zu machen“ im doppelten Wortsinn – dass es bei den Leuten ankommt und sie die Werkzeuge dann auch effizienter, einfacher nutzen können. Das wäre gut. Mit einem höheren Qualitätsniveau durch unsere Tools haben wir zudem vielleicht mehr Zeit, in Wettbewerbe zu investieren. Ich habe aktuell das Gefühl, dass wir hier noch sehr viel zusätzliche Zeit selbst investieren müssen. Wir sehen uns als Entwickler in unserem Bereich. Die Optimierung der Prozesse schluckt da noch die Zeit, die wir woanders gewinnen können.

für das Büro … unsere Planungsqualität für den Bauherrn, für den Nutzer in das Projekt einzubringen. Es gibt Meilensteine, die jedes Projekt trägt: Architekturqualität, hohe Effizienz der Gebäude sowie Termine und Kosten im Griff zu behalten. Zusätzlicher Mehrwert liegt neben der Effizienz eines Gebäudes in der Nutzungsflexibilität oder innovativen Konzepten. Darin investieren wir viel Zeit. Und wenn unsere Werkzeuge auch hier sinnvoll eingesetzt werden können, haben wir einen wirklichen Nutzen. Das macht die Qualität unserer Entwürfe aus.


 

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