Wie die Baubranche von neuen Technologien profitieren kann

7. Oktober 2020

Ein Interview mit Kevin Lea, Senior Vice President Product Management bei ALLPLAN

 

Der digitale Umbruch verändert die Art und Weise, wie Bauwerke entworfen, gebaut und betrieben werden. Jedes Unternehmen, das wettbewerbsfähig bleiben will, muss sich diesen Herausforderungen stellen. Gleichzeitig gibt sich die AEC-Branche jedoch äußerst zurückhaltend, wenn es darum geht, neue Arbeitsweisen einzuführen.

 

Zukunftsinvestitionen erscheinen – gemessen an ihrem kurzfristigen Ertrag – zunächst oft zu kostspielig. Darüber hinaus ist es angesichts einer sich ständig ändernden Bautechnologie schwierig, den Überblick darüber zu behalten, welche neuen Technologien implementiert werden sollten. Allein: Ohne zukunftsweisende Investitionen laufen Unternehmen Gefahr, hinter der Konkurrenz zurückzubleiben und potenzielle Aufträge zu verlieren. Kevin Lea, Senior Vice President Product Management bei ALLPLAN, erläutert, vor welchen Herausforderungen die AEC-Branche bei der Implementierung dieser neuen Technologien steht und wie man ihnen begegnen kann.

 

Auf Grundlage Ihrer langjährigen Erfahrung in der Baubranche: Was sind die größten Herausforderungen für Unternehmen, wenn es darum geht, neue Technologien zu nutzen?

Die Technologie in der Baubranche entwickelt sich momentan schneller als je zuvor. Gerade jetzt, da die Digitalisierung immer mehr Einzug hält, werden deutlich mehr Daten zu Modellen hinzugefügt, um den Anforderungen des gesamten Projektlebenszyklus, einschließlich des Facility Managements, gerecht zu werden. Daraus ergeben sich wiederum technische Herausforderungen für Softwareanbieter, die ihren Kunden Lösungen für die Verwaltung derart großer Datenmengen bereitstellen müssen.

 

Eine Herausforderung besteht darin, Rechenleistung und Performance im Gleichgewicht zu halten. Relativ betrachtet, hat sich die Rechnerleistung nicht proportional zu den Anforderungen entwickelt, denen wir heute gegenüberstehen. Wenn moderne 3D-Lösungen für die Ausführung einzelner Befehle mehrere Minuten brauchen, ist das inakzeptabel – selbst wenn die Software dabei hinter den Kulissen Tausende von Problemen löst, die bei traditioneller Arbeitsweise viele Stunden, wenn nicht gar Tage, benötigt hätten. Gerade vor dem Hintergrund neuer Technologien wie digitalen Zwillingen oder künstlicher Intelligenz stellt sich daher die Frage, wie wir große Datenmengen mit der verfügbaren Computerleistung effizient verarbeiten können.

 

Wie begegnet ALLPLAN diesen technologischen Herausforderungen in der Branche?

Bei ALLPLAN gehen wir das Thema Datenverarbeitung und Performance auf zwei Ebenen an. Die erste konzentriert sich sowohl auf die Skalierbarkeit als auch auf die Leistung innerhalb der Software. Ziel ist es, allgemein die Geschwindigkeit dessen zu verbessern, wie die Software an sich arbeitet und wie wir auf intelligente Weise Daten verarbeiten, um eine User Experience zu bieten, die bei kleinen wie großen Projekten konsistent ist.

 

Skalierbarkeit wird nicht immer vollständig verstanden. Oft kann ein Produkt auf den ersten Blick schnell aussehen und sich auch so anfühlen – bis man an einem realen Projekt arbeitet. Heutzutage können Modelle sämtliche Oberflächen, Befestigungen und Bewehrungen enthalten, was die Software in die Knie zwingen kann. Deshalb gehen wir davon aus, dass Skalierbarkeit auf unserem Weg in die Zukunft eine grundlegende Voraussetzung für unsere Kunden sein wird. Dementsprechend haben wir erhebliche Ressourcen investiert, um Allplan so effizient wie möglich zu machen. Die Ergebnisse, die wir nun in Allplan 2021 sehen, sind, offen gestanden, ziemlich erstaunlich.

 

Der zweite Bereich, auf den wir uns konzentriert haben, ist der Einsatz von Cloud-Technologie. Diese ist tatsächlich die einzige praktikable Möglichkeit, extrem große Datenmengen zu verarbeiten. Dabei geht es nicht nur um die Speicherung von Daten, sondern auch darum, wie Informationen verarbeitet werden. Bestimmte Aufgaben können mithilfe von Cloud-Technologie eindeutig effizienter gelöst werden. Unser Ziel ist es daher, unseren Kunden die richtigen Werkzeuge für eine effiziente Abwicklung ihrer Projekte an die Hand zu geben, sei es über lokale Rechner oder über die Cloud. Und natürlich ist die Flexibilität, Daten über die Cloud überall und jederzeit gemeinsam nutzen zu können, überaus wertvoll, ganz gleich, ob Mitarbeiter nun vom Büro aus, auf der Baustelle oder aus dem Homeoffice an Projekten mitwirken.

 

Allplan Bimplus ist eine cloudbasierte Kollaborationsplattform, die es uns ermöglicht, unseren Kunden genau diese Freiheit zu bieten. Umso mehr freuen wir uns, verkünden zu können, dass Allplan Bimplus Professional ab sofort in sämtlichen gültigen Serviceplus- und Subskriptionsverträgen enthalten sein wird. Dies ist der entscheidende Schritt, um unseren Kunden einen kombinierten Workflow zu ermöglichen, in welchem sie das Potenzial der Cloud-Technologie voll ausschöpfen können. Natürlich sehen wir auch, dass einige Kunden Bedenken bezüglich der Nutzung von Cloud-Technologie haben könnten. Nichtsdestotrotz müssen wir als Branche die Realität annehmen, dass dies der einzige praktikable Weg ist, um künftig in einer digitalen Welt bestehen zu können.

 

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten kommenden Trends?

Der wichtigste Trend ist für mich ganz klar die Einführung von Cloud-Technologie sowie das Verständnis dafür, dass jedes Projekt von Werkzeugen wie Bimplus profitieren kann. Neben zahlreichen anderen Verbesserungen bieten wir unseren Kunden jetzt etwa mit Arbeitsabläufen durch den SCIA AutoConverter eine weitere spannende Innovation. Dies ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wir mittels Cloud-Technologie ein geometrisches Modell schnell und effizient in ein statisches Modell überführen können. Der enorme Vorteil dieser Methode besteht darin, dass hierbei ein Statik-Modell entsteht, das voll und ganz den Vorstellungen des Statikers entspricht, ohne dass der Modellierer über umfassende Statik-Kenntnisse verfügen muss oder das geometrische Modell beeinträchtigt wird.

 

Mit Allplan, Allplan Bimplus und dem SCIA AutoConverter bieten wir jetzt intelligente Workflows mit einer breiten Palette von Statik-Programmen, darunter auch die unserer Schwestermarken SCIA, Frilo und Risa. Ein zusätzlicher Vorteil besteht dabei darin, dass es nicht notwendig ist, für jedes System unterschiedliche Arbeitsabläufe zu erlernen. Dies wird durch die Verwendung eines neuen offenen Dateiformats erreicht, das speziell von Nemetschek entwickelt wurde, dem so genannten Structural Analysis Format (SAF). Jedes Statik-System kann dadurch nun über eine Microsoft Excel-Datei auf intelligente Weise mit Werkzeugen wie Allplan verknüpft werden. Es ist spannend zu beobachten, wie derart viele prominente Statik-Anbieter dieses Format verwenden.

 

Welchen Rat würden Sie Ingenieur- und Architekturbüros geben, damit sie sich bei der Einführung und Nutzung neuer Technologien zur Verbesserung ihrer Geschäftstätigkeit sicherer fühlen?

Wie sehr wir uns auch bemühen, den Planungsaufwand in einer digitalen Welt zu minimieren, bleibt doch ein gewisses Maß an Wissen und Fertigkeiten erforderlich, um die Rentabilität von Investitionen zu maximieren. Die Software wird immer komplexer, da die Computernutzung zunehmend zu einem integralen Bestandteil unserer täglichen Arbeit wird – und zwar nicht nur für die Erstellung traditioneller Pläne, sondern auch für den Bau digitaler Prototypen unserer Projekte. Daher ist es sinnvoll, die Zeit zu investieren, um sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen der Software zu verstehen, und sicherzustellen, dass die gewählte Lösung nicht nur den heutigen, sondern auch zukünftigen Anforderungen gerecht wird. Der beste Ansatz besteht darin, einen Anbieter zu finden, dem Sie vertrauen und der Sie auf Ihrer Technologiereise unterstützt – sowohl in Bezug auf die Funktionalität der Software als auch als Berater für neue Technologien.


 

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