Vertical Factories: Urbane Ökosysteme der Zukunft

[fa icon="calendar"] 18. Mai 2017

Bis 2025 wird die Anzahl an Megacitys – Städten mit über 10 Millionen Einwohnern – von aktuell 23 auf 36 steigen. In den 600 größten Städten der Welt werden dann 500 Millionen Menschen mehr leben als heute. Wie schaffen wir Wohnungen und Arbeitsplätze für alle? Wie begegnen wir den Herausforderungen der Stadtökologie und genügen gleichzeitig denen der globalen Märkte? Welche Lösungen hat die Architektur der Zukunft für Überbevölkerung und Umweltverschmutzung und wie kreiert sie urbane Lebensräume, in denen wir uns wohlfühlen und produktiv sind? Die Antwort: Indem sie in die Höhe denkt und baut. Wolkenkratzer zum Wohnen und Arbeiten gibt es schon lange. Die „Vertical Factory” verlagert nun auch die Produktion in lichte Höhen – und packt Fertigungsprozesse einfach übereinander. Dabei kommen faszinierende Wolkenkratzer-Visionen heraus.

 

Vertical Factories in Megacitys

© eVolo


Nachhaltige Entwicklung von unten nach oben

Traditionell sind in Fabriken die verschiedenen Stufen von Produktionsprozessen auf einer Ebene angeordnet und laufen hintereinander oder nebeneinander ab. In einer vertikal organisierten Produktion wird übereinander gearbeitet. Es gibt zwei Typen von „Vertical Factories“, die sich hinsichtlich ihrer Struktur und Organisation unterscheiden. Bei dem einen läuft ein komplexer Fabrikationsprozess im ganzen Gebäude ab – nur eben nicht horizontal, sondern von unten nach oben. Beim zweiten beherbergen die verschiedenen Stockwerke eines Gebäudes mehrere kleinere Fabriken. Was diese innovativen Produktionsstätten ebenfalls von den traditionellen Modellen unterscheidet, ist ihr innerstädtischer Standort, weshalb sie auch als „Vertical Urban Factories“ bezeichnet werden.

 

Skyscraper für effiziente Stadtökologie

Der Vorteil des urbanen Kontextes: Der Herstellungsprozess profitiert von mehr qualifizierten Arbeitskräften vor Ort. Auch die Nähe zu anderen Fabriken und Betrieben ist günstig, weil Produktionsteile logistisch weniger kompliziert beschafft werden können. Die Transportwege sind kürzer als in einer ländlichen Infrastruktur, was kostbare Zeit spart. Auch der Konsument ist nicht weit und die Verteilwege entsprechend kurz. Die “Vertical Factory” nimmt zudem weniger Platz ein und lässt durch ihre innerstädtische Lage Lebensraum und Arbeitsraum architektonisch zusammenrücken. Deshalb ist die Skyscraper-Fabrik in der City sowohl unter fabrikationstechnischen Gesichtspunkten als auch im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung und Stadtökologie interessant.

Von Vertical Factories zu Vertikalen Gärten: Das Microsoft Headquarter in Wien zeigt wie es geht.

 

Ökosystem Stadt: Zukunftsweisende Wolkenkratzervisionen

Die US-Architekturzeitschrift „eVolo“ veranstaltet seit 2006 jährlich einen Wettbewerb für herausragende Wolkenkratzerkonzepte. Erklärtes Ziel der Herausgeber ist, unser Verständnis für vertikale Architektur und ihr Verhältnis zu unserer Umwelt – der natürlichen und der geschaffenen – herauszufordern. Mehr als 6.000 Projekte wurden bislang eingereicht und bewertet. Mit dem Thema „Vertical Factory“ haben in den letzten Jahren mehrere Architekten die vordersten Platzierungen erreicht.

 

Multisensuelle Architekturerfahrung

2015 wurde zum Beispiel der „Essence Skyscraper“ zum Sieger gekürt. In der Wolkenkratzervision des polnischen Büros BOMP sind Natur und Architektur miteinander im Einklang. Unterschiedliche Ökosysteme in Form von elf Landschaften sind hier untergebracht: von 30 Meter hohen Aquarien über tropische Regenwaldbereiche bis hin zu arktischen Habitaten. Die Architekturerfahrung ist multisensuell: Gebautes lässt sich nicht nur anschauen, sondern auch fühlen, riechen und hören.

 

Vertical Factory in der Megacity

Platz zwei bei der Wolkenkratzer-Kür ging 2017 an das Projekt „Vertical Factories in Megacities“. Die chinesischen Architekten Tianshu Liu and Linshen Xie untersuchen hier die Vorteile, die Fabriken im Herzen von Megacitys mit sich bringen können. Unterschiedliche architektonische Schichten – Fabrikation und Freizeitetagen – werden übereinander gebaut, wobei jede Erholungsebene die Abfälle und Wertstoffe der Produktionen darüber und darunter nutzt.

 

Die Urbanisierung schreitet vielerorts voran. In der Architektur der Zukunft spielen Megacitys eine wichtige Rolle. Dem Bedarf an neuem innerstädtischen Wohnraum werden modulare Baukonzepte gerecht. Aber auch Arbeitsmöglichkeiten in der Stadt sind zunehmend gefragt. Das Konzept der “Vertical Factory” könnte hier richtungsweisend sein.

 


 

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