Urban Sequoia: Kann die Baubranche die Welt retten?

9. Februar 2022

SOM schlagen eine Lösung für die drohende Klimakatastrophe vor, bei der die Baubranche die Welt retten würde. Den Entwurf für einen CO2-negativen Prototypen haben sie auch schon parat.

Nicht klimaneutral, sondern klimapositiv – so sieht nach Ansicht von Skidmore, Owings & Merrill (SOM) der Ausweg aus dem Klimawandel aus. Das renommierte internationale Architektur- und Ingenieurbüro stellte auf der Weltklimakonferenz in Glasgow sozusagen einen Prototypen für eine bauliche Lösung zur Rettung der Welt vor. Urban Sequoia, so der an den Riesenmammutbaum angelehnte Name, ist praktisch ein gebauter Baum, ein atmendes Gebäude, das unter Einsatz verschiedener Technologien CO2 aus der Luft bindet. Nach Aussage von SOM könnte dieses schon jetzt gebaut werden und damit – auch in Hinblick auf die rapide wachsende Weltbevölkerung – den Grundstein für eine CO2-negative, nachhaltige Stadtentwicklung legen.

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Ein Wolkenkratzer wie 48.000 Bäume

Im Gebäudekonzept von Urban Sequoia fließen verschiedene Stränge aus nachhaltigem Design, neuesten Innovationen und aufkommenden Technologien zusammen. Durch ganzheitliche Optimierung der Architektur, Minimierung von Materialien, Integration von Biomaterialien, fortschrittlicher Biomasse und Technologien zur Speicherung von Kohlenstoff bindet das atmende „Baumhaus“ am Ende wesentlich mehr CO2 als voneinander getrennte Anwendungen dieser Maßnahmen. Laut SOM können diese Strategien auf Gebäude aller Größen und Arten übertragen werden. Für den großstädtischen Kontext sieht das Konzept einen Wolkenkratzer vor, der jährlich 1.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid bindet – so viel wie 48.500 Bäume. Hierzu kommen naturbasierte Lösungen und Materialien wie Bioziegel, Hanfkalk, Holz oder Biozement zum Einsatz. Verglichen mit einem Stahlbetonbau wird so die CO2-Bilanz beim Bau um 50 Prozent reduziert.

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Fassade mit integrierter Biomasse und Algen

Laut SOM könnte ein fortschrittlicher Ansatz die klimaschädlichen Emissionen des Baus sogar um 95 Prozent senken. Doch dabei bleibt es nicht: In einem Zeitraum von 60 Jahren soll der Prototyp der Atmosphäre 400 Prozent mehr CO2 entziehen, als seine Errichtung an Emissionen verursacht. Das gesammelte Kohlenstoffdioxid lässt sich in verschiedene industrielle Anwendungen überführen, die den Kreislauf einer regelrechten CO2-Sammel-Wirtschaft schließen. So könnte etwa die Fassade mit integrierter Biomasse und Algen das Gebäude zu einer Biotreibstoffquelle für Heizsysteme, Autos und Flugzeuge oder Bioproteinquelle für verschiedene industrielle Anwendungen machen.

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300 Tonnen CO2 pro km² Infrastruktur binden

SOM sieht in dem Prototyp erst den Anfang. Die Nebenprodukte von Urban Sequoia sollen die Art und Weise revolutionieren, wie wir unsere Infrastruktur gestalten und instand halten. Demnach werden gebundener Kohlenstoff und Biomasse in Biomaterialien für Straßen, Gehwege und Rohre verwendet. Durch die Umwandlung versiegelter Flächen in Gärten, das Entwickeln stark kohlenstoffabsorbierender Landschaften und das Nachrüsten von Straßen mit kohlenstoffbindender Technologie könnte die noch graue Infrastruktur bis zu 120 Tonnen CO2 pro Quadratkilometer im Jahr binden. Bei einer Ausweitung dieser Strategien auf Parks und andere Grünflächen rechnen SOM gar mit einem Absorptionspotenzial von 300 Tonnen jährlich.

Sequoia1_NEU© SOM | Miysis


 

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