Wider schlechte Luft: Smog Projects

30. Januar 2020

Neun von zehn Menschen weltweit atmen schlechte Luft. Im Kampf gegen dieses Problem zeichnet sich derzeit ein Trend zu haushohen Luftfiltertürmen ab – mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen.

 

Laut World Health Organization sterben jährlich rund sieben Millionen Menschen weltweit an den Folgen von Luftverschmutzung. 91 Prozent der Weltbevölkerung leben zudem an Orten, die die von der WHO empfohlenen Richtwerte für Luftqualität überschreiten. Um dem akuten Problem in stark belasteten Regionen Herr zu werden, experimentieren Forscher und Ingenieure weltweit mit großen städtischen Luftfilteranlagen. Über die bislang größte dieser Art, einen 60 Meter hohen „Kamin“ in Xian, berichteten wir bereits. Andere Projekte zeigen sich indes wesentlich kleiner und dennoch effektiv, während wieder andere, noch weitaus pompöser, das Gesicht einer ganzen Stadt verändern würden.

 

SMOG FREE PROJECT: Aus Smog wird Schmuck

Wenn es um die Verbesserung des Planeten geht, ist der niederländische Designer Daan Roosegaarde ein echter Tausendsassa. Die Projekte des gelernten Architekten befassen sich unter anderem mit intelligenter Kleidung, der Beseitigung von Weltraumschrott oder der Interaktion zwischen Natur und Technologie. Im Rahmen des SMOG FREE PROJECT haben Roosegaarde und sein Team den SMOG FREE TOWER entwickelt, einen sieben Meter hohen Luftfilter, der am Tag 30.000 Kubikmeter Luft reinigt. Die Schadstoffe werden anschließend zu Ringen komprimiert. Wer ein solches Schmuckstück ersteht, finanziert damit 1.000 Kubikmeter saubere Luft. Kunden und Partner des vielfach preisgekrönten Projekts sind neben Städten wie Rotterdam auch die Regierung der Volksrepublik China.

 

Weckruf für Neu Delhi: The Smog Project

Der Name ist fast derselbe und das Prinzip das Gleiche, doch würde „The Smog Project“ von ZNera Space aus Dubai, anders als das eher dezente SMOG FREE PROJECT, das Stadtbild maßgeblich verändern. Hier überzieht ein ganzes Netzwerk aus riesigen Luftfiltertürmen, die täglich jeweils 3,2 Millionen Kubikmeter saubere Luft erzeugen sollen, ganz Neu Delhi. Mit dieser dystopisch anmutenden Vision wollte der indienstämmige Architekt und ZNera-Space-Gründer Najmus Chowdhry vor allem seine Landsleute aufrütteln. Und das tut auch Not: Die Luft in der indischen Hauptstadt ist so gefährlich verschmutzt, dass mittlerweile ebenso viele Nichtraucher an Lungenkrebs erkranken wie Raucher.

 

Chowdhrys Weckruf schaffte es 2018 auf die Shortlist des Experimental-Future-Project-Preises des World Architecture Festivals. Doch so lobenswert derartige Bemühungen um bessere Luft auch sind, bleiben sie reine Symptombekämpfung. Um das Problem an der Wurzel zu packen, braucht es Sensibilisierung, politischen Willen und vor allem die Ersetzung schmutziger Prozesse durch saubere. Nicht nur in Indien, sondern auch in manch westlicher Industrienation, hapert es bislang an allen dreien.


 

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