Rollende Häuser und runde Architektur: Beeindruckende Bauten ohne Ecken und Kanten

8. Oktober 2018

Eine reine und absolute Form, ohne Ecken und Kanten – das ist der Kreis. In der modernen Architektur bilden kreisförmige bzw. runde Gebäude allerdings eher die Ausnahme. Doch sind sie den kubischen Häusern wirklich unterlegen? Manche Kulturen dieser Erde nutzen die runde Architektur seit Jahrtausenden, wie etwa die Iglus der Inuit oder die Jurten der mongolischen Nomaden zeigen. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen drei faszinierende Beispiele der Gegenwart für Rundhäuser vor: in Deutschland, Portugal und Litauen. Außerdem erläutern wir die Besonderheiten dieser organischen Architektur.

 

Die Siedlung der „Rolling Homes“ in Litauen

© DO architects; Siedlung Svencelé, die Siedlung der „Rolling Homes“ in Litauen

 

Das Bensberger Rundhaus als neue Landmarke

Seit 2012 steht in Bergisch-Gladbach ein neues Haus, in dem viele gerne wohnen wollen. Der Grund: Es ist kreisrund und bietet trotzdem Platz für eckige Möbel. Das zweigeschossige Wohn- und Bürohaus vom Architekten Gerald Wehner nutzt das polygone Grundstück optimal. Das Untergeschoss dient als Tiefgarage, den oberen Abschluss bildet ein zurückgesetztes Staffelgeschoss mit grauer Fassade. Durch die runde Form wirkt es weniger bedrängend auf die Bewohner in den angrenzenden Gebäuden.

 

Rundhaus in Bergisch-Gladbach

© Architekt Gerald Wehner; Rundhaus in Bergisch-Gladbach

 

Lediglich die Außenwand und der Kern mit Glasaufzug und Wendeltreppe sind tragend. Dies ermöglicht sehr individuelle Gestaltungsformen im Inneren: von 4-Zimmer-Wohnungen bis zum weitläufigen Loft. Die Räume sind konisch geschnitten und fangen das Licht über die großflächige Fensterfront ein. So entstehen helle Wohnungen mit geraden Wänden von bis zu 7,50 Meter. Architekt Wehner konzipierte die Verkehrsflächen wie Treppen und Aufzug in einem inneren Ring um den Kern, so dass auch dort die Flächen optimal genutzt werden. Diese einzigartige runde Architektur hat sich im Ort sehr schnell zu einem Wahrzeichen entwickelt.

 

Die rollenden Häuser in Litauen

Runde Häuser müssen nicht immer auf der Kreisseite liegen, sie können auch aufrecht stehen. Geleitet von dieser Idee errichtet das Büro DO architects derzeit im Kurischen Haff in Litauen die Siedlung Svencelé, die Siedlung der „Rolling Homes“.

 

„Rolling Homes”

© DO architects; „Rolling Homes”

 

Insgesamt sollen 20 Häuser entstehen. Jedes der Häuser hat die Form eines überdimensionalen Holzfasses und eröffnet durch die beidseitige riesige Fensterfront einen atemberaubenden Ausblick aufs Meer. In jedem Haus verbergen sich drei Etagen, die mit einer Gesamtwohnfläche von 101 Quadratmetern wahre Platzwunder sind. Die umlaufenden Seitenflächen der runden Häuser sind blickdicht gestaltet, um den Bewohnern ausreichend Privatsphäre zu gönnen.

 

Wohnfläche in den „Rolling Homes”

© DO architects; Wohnfläche in den „Rolling Homes”

Das runde Haus der Gegensätze

An der portugiesischen Algarve-Küste steht seit 2014 ein Haus, das mit seiner elliptischen Form Gegensätze ausgleichen soll – der Kreis als Symbol für Balance.

 

Eliptic House Portugal

© Fernando Guerra - FG + SG (http://ultimasreportagens.com/); Eliptic House Portugal

 

In diesem Gebäude begegnen sich Fülle und Leere, Schwere und Leichtigkeit, Licht und Schatten. Die vielfältigen Ausschnitte und Durchbrüche, die weiße Fassade und die organische Architektur des Wohnhauses setzen dieses Prinzip auf außergewöhnliche Weise um.

 

Eliptic House Portugal

© Fernando Guerra - FG + SG (http://ultimasreportagens.com/); Eliptic House Portugal

 

Der Grundriss bildet das Gegenstück zum Nachbargebäude und gliedert sich durch das natürliche Design in die Umgebung ein. Wie Architekt Mario Martins es selbst beschreibt, ist das Rundhaus vom Wind und vom Meer geformt – der Atlantik ist nur wenige Meter entfernt. Im Erdgeschoss befinden sich eine offene Wohnküche sowie vier der fünf Schlafzimmer. Die gekrümmten Wände fallen kaum auf, denn die Räume gehen fließend ineinander über.

 

Eliptic House Portugal

© Fernando Guerra - FG + SG (http://ultimasreportagens.com/); Eliptic House Portugal

Runde Architektur kann mehr

Wenn sich ein Architekt oder Planer für ein rundes Haus entscheidet, spielt nicht nur die besondere Gestaltung eine Rolle. Vieles spricht für diese Form der Architektur. So sind Rundhäuser sehr stabil und resistent gegenüber Wind und Wetter. Die geringere Fassadenfläche gegenüber eckigen Häusern wirkt sich positiv auf die Baukosten aus. Auch aus energetischer Sicht kann diese Gebäudeform punkten: Einerseits verliert sie weniger Wärme, andererseits kann das Flachdach für Solar- oder PV-Anlagen genutzt werden. Nicht zuletzt hat eine Studie der Universität Wien ergeben, dass Menschen runde Räume subjektiv schöner wahrnehmen. Runde Architektur ist einfach, prägnant und löst angenehme Gefühle aus.

 

Vielleicht werden in Zukunft mehr Gebäude dieser Art errichtet – die Vorteile sprechen für sich.

Eine Weiterentwicklung der organischen Architektur sind moderne Freiformen.

Erfahren Sie mehr dazu in unserem Beitrag „Moderne Freiform-Architektur: Mehr Schwung durch digitale Innovationen“.


 

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