Ein Plusenergiehaus in der Arktis?

27. Februar 2019

Die Arktis ist bedroht. In Zeiten der globalen Erwärmung wird leider immer deutlicher, dass das „ewige Eis“ keineswegs so ewig ist, wie man einstmals dachte. Vielmehr führt das rapide Schmelzen der Pole und das damit verbundene Artensterben klar vor Augen, wie fragil doch dieser Erdteil und sein ökologisches Gleichgewicht sind. Trotz des realen Klimawandels bleibt die Arktis natürlich immer noch eiskalt. Erstaunlicherweise plant das norwegische Architekturbüro Snøhetta in diesen frostigen Gefilden ein Plusenergiehaus. Das Energiekonzept ist dabei jedoch nur eine Maßnahme, um den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu gestalten.

 

„Svart“ ist norwegisch und bedeutet „schwarz“ bzw. in Altnorwegisch auch „blau“. Svart soll bald auch ein spezielles Hotel heißen, das von Snøhetta in Zusammenarbeit mit Arctic Adventure of Norway, Asplan Viak und Skanska entworfen wurde. Der Name nimmt hier Bezug auf Svartisen, Norwegens zweitgrößten Gletscher, an dessen Fuß das Hotel stehen soll. Gleichsam erinnert „Svart“ an das tiefblaue Eis des Gletschers. Diese Hervorhebung des Gletschers im Namen des Hotels befindet sich ganz im Einklang mit dem Konzept des Entwurfs, wonach die atemberaubende Naturlandschaft im Vordergrund stehen soll. Das Hotel selbst tritt dementsprechend weitestgehend in den Hintergrund.

 

Plusenergiehaus am Polarkreis

Eigentlich könnte Svart auch „Grønn“ – norwegisch für „grün“ – heißen, denn das Projekt ist voll auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz angelegt. So soll Svart etwa der Welt erstes arktisches Plusenergiehaus werden, also mehr Energie produzieren, als es verbraucht. Erreicht wird dies allerdings nicht, indem es unheimlich viel Energie produziert, sondern dadurch, dass es ungeheuer wenig verbraucht: Den Planern zufolge soll das Hotel etwa 85 Prozent weniger Energie benötigen, als herkömmliche Hotelgebäude, die nach modernem norwegischen Standard gebaut sind. Entscheidend ist dabei vor allem eine optimale Positionierung des ringförmigen Baukörpers und seiner Räume zur Sonne.

 

Solar-Mapping

Eine Fassade aus hochisoliertem Glas lässt zur Erwärmung der Räume im Winter die Strahlen der durchgängig tiefstehenden Sonne rein, während Wärmepumpen in Verbindung mit geothermischen Quellen für zusätzliche Wärme sorgen. Im Sommer fungieren hingegen ein weit auskragendes Dach und horizontale Abtrennungen zwischen den Loggias für ausreichend Schatten gegen die hochstehende Sonne. Das Dach ist mit norwegischen Solarzellen gedeckt, die mithilfe von Wasserkraft hergestellt wurden und insbesondere an den langen Sommertagen einen hohen Energieertrag erzielen. Für die optimale Ausrichtung zur Sonne haben die Planer eigens ein Mapping für das Verhalten von Sonnenstrahlen in Gebirgsregionen erstellt.

 

Nachhaltig in allen Phasen

Das ringförmige Gebäude wird am Fuße des Almlifjellet-Berges direkt an der Küste des Holandsfjorden-Fjords liegen. Ein Großteil des Baukörpers gründet dabei auf wasserfesten Holzpfählen, die den ökologischen Fußabdruck klein halten. Generell wird bei dem Projekt darauf geachtet, dass die verwendeten Baustoffe auch in der Herstellung nachhaltig sind. Dementsprechend besteht der größte Teil von Svart aus Holz, während energie- und ressourcenintensive Baustoffe wie Beton und Stahl nur dort eingesetzt werden, wo sie zwingend notwendig sind.

 

Alles in allem stünden die Nachhaltigkeitsmaßnahmen von Svart auch Häusern in anderen Regionen der Erde gut zu Gesicht. Dass solche Maßnahmen am Ende sogar zu einem Energieüberschuss in der Arktis führen, zeigt, wie weit nachhaltiges Bauen mit kleinem Fußabdruck reichen kann.


 

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