Unter der Erde oder in der Wildnis: So einfach ist Wohnen in der Natur

[fa icon="calendar"] 3. August 2017

Wohnen in der Natur und mit ihr – davon träumen Bauherren. „Grüne“ Architektur bietet viele Ansätze für ein Leben im Einklang mit der Umwelt. Allerdings muss sie sich dabei diversen Herausforderungen stellen. Die harmonische Integration eines Gebäudes in seine natürliche Umgebung ist eine. Gelingt sie, entstehen faszinierende Wohnlösungen. Drei davon stellen wir Ihnen in diesem zweiten Teil unseres Beitrags „Naturverbunden Wohnen“ vor.

 Fallingwater

© Christopher Little, Courtesy of the Western Pennsylvania Conservancy; Fallingwater

Fallingwater: Leben mit dem Wasserfall

Frank Lloyd Wright war nicht nur ein kreatives Genie. Er war auch der erste „organische“ Architekt. 1935 baute der US-Amerikaner für einen reichen Kaufmann aus Pittsburgh „Fallingwater“, das Haus über dem Wasserfall. Was heute als Museum Design-Interessierte aus aller Welt fasziniert, war damals als Projekt ebenso visionär wie skandalös. Bis zur grünen Architektur war es noch ein weiter Weg und „Wohnen in der Natur“ stand mit Sicherheit nicht auf der Wunschliste eines zeitgenössischen Bauherrn. Fallingwater fügt sich nicht nur in die natürliche Umgebung ein, es ist Teil von ihr. Der Fels, auf dem das Gebäude errichtet ist, wurde fast komplett im Ursprungszustand belassen. An manchen Stellen ragt er aus dem Fußboden heraus – als schroffe Erinnerung daran, dass Natur nicht notwendigerweise dem Menschen weichen muss. Das Rauschen des Wassers ist im gesamten Haus zu hören. Ein umlaufender Balkon lässt Besucher den Fall, die Klamm und den umliegenden Wald unmittelbar spüren, hören, riechen, erleben. Sehr viel organischer kann Architektur kaum sein.

 

Erdhäuser

© Vetsch Architektur; http://www.erdhaus.ch/; Erdhäuser

Erdhäuser: Beherbergt wie in Hobbingen

Der nachhaltigste Baustoff ist der, der vor Ort schon vorhanden ist. Beim Erdhaus bestehen Wände und Dach im Wesentlichen aus Erde. Wie eine Kuppel ragt es aus dem Boden. Die reichlich verglaste Front lässt viel Licht in das Innere des Wohnhügels. Das Erdhaus lebt mit der Natur – und die Natur lässt es leben. Kein Sturm deckt hier das Dach ab. Zudem nutzt diese „grüne“ Architektur in der Erde ihre wärmeregulierenden Eigenschaften: Die Temperatur aus dem Boden gleicht sommerliche Hitze und winterliche Kälte aus. Dicke Erdschichten isolieren nach oben und zur Seite. Lehmputz reguliert die Luftfeuchtigkeit zusätzlich von innen. Mit Erdhäusern lassen sich das Schwinden natürlicher Lebensräume und die Probleme durch Bebauung – wie Bodenversiegelung – auf ein Minimum beschränken. Die massive Erdüberdeckung von bis zu 3 Metern vergrößert die Grünflächen und verbessert die Luftqualität. Erdhügelheime sind gleichzeitig Gärten. In Siedlungen verbinden sie sich zu naturbelassenen Oasen. Das Dorf „Hobbingen“ aus „Herr der Ringe“ lässt grüßen.

 

The Spahouse

© Tremblant Mountain Chalets; http://tremblantmountainchalets.com; The Spahouse

The Spahouse: Ambitioniertes Architekturprojekt in kanadischer Wildnis

Holz, Glas, Beton und ein nicht erschlossener Baugrund im Wald: Fertig ist das „Spahouse“. 21 solcher minimalistischen Villen gibt es bislang inmitten idyllischer Natur am Ufer des Oberen Sees (Lake Superior) nördlich von Montreal. Insgesamt 31 sollen es werden, in zwei- und dreigeschossigen Versionen. Seine Architekten sehen im Spahaus die zeitgenössische Interpretation der traditionellen kanadischen Blockhütte. Terrassen auf jeder Ebene sorgen dafür, dass die Bewohner die Räume nach außen erweitern können. So öffnet sich auch das Innere des Hauses für die natürlichen Elemente, die es umgeben. Kein Bauplatz wurde vorbereitet. Die Spahäuser fügen sich vielmehr den natürlichen Gegebenheiten durch den Untergrund und die Anordnung von Vegetation und geologischen Elementen. Daraus ergeben sich die ganz individuellen Ausblicke, die man von den einzelnen Einheiten genießt und deren besonderer Reiz sich durch ihre Zufälligkeit ergibt. Was nicht dem Zufall überlassen wurde: Jeder Bau ist so geplant, dass er außer Sichtweite des Nachbarhauses liegt. So kommt jeder Bewohner in den Genuss des Wohnens in gefühlt unberührter Natur.

 

Zwar kein Platz zum Wohnen, aber ein Tor in die Natur: Die Himmelsleiter im Naturschutzgroßprojekt Waldnaabaue.

 

Wohnen in perfekter Harmonie mit der Umwelt

Die harmonische Integration eines Gebäudes in seine natürliche Umgebung: Das ist eine der Herausforderungen, denen sich „grüne“ Architektur stellt. Das erfordert nicht nur viel Idealismus. Es verlangt auch Kompromisse bei Bauplanung und -realisation. Wer dazu bereit ist, kann sich den Traum vom Naturhaus erfüllen – unter der Erde, inmitten eines Wasserfalls, in einem Baumhaus oder in einer Bambusvilla.

 


 

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