Naturverbunden Wohnen: Leben in Baumhaus & Co.  - Teil I

3. Juli 2017

In Harmonie mit der Umwelt zu leben anstatt gegen sie – dieses Bedürfnis wird in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zur zunehmend treibenden Kraft. „Grüne“ Architektur und nachhaltige Baustoffe sorgen dafür, dass der Wunsch nach naturverbundenem Wohnen sich zumindest in Ansätzen auch für den Durchschnittsbürger verwirklichen lässt. Wie naturnah Menschen residieren können, die mehr investieren – an Zeit, Geld, Energie und Idealismus –, zeigen außergewöhnliche Wohnkonzepte, die wir Ihnen hier vorstellen.

 Finca Bellavista, Costa Rica

© Finca Bellavista Treehouse Community; http://www.fincabellavista.com

 

Bambusvillen in Bali

Bambus hat die Zugfestigkeit von Stahl, die Druckfestigkeit von Beton und gedeiht wie Unkraut. Er ist der perfekte Baustoff in Sachen Nachhaltigkeit. Maximal fünf Jahre braucht ein Stamm, bis er ausgewachsen und reif für die Ernte ist. Was die eleganten Stangen als Konstruktionsmaterial außergewöhnlich macht: Sie sind hohl und wiegen bei aller Stabilität extrem wenig. Aus Bambus lassen sich mehrstöckige Gebäude, Schulen und ganze Dörfer errichten, wie das „Green Village“ in Bali. Hier hat ein Team von Architekten, Designern und Handwerkern einen etwas anderen Villenkomplex realisiert: ökologisch, nachhaltig, harmonisch in die indonesische Dschungellandschaft eingebunden und trotzdem luxuriös. Die Häuser sind in traditioneller Bauhandwerkskunst errichtet und architektonisch perfekt an die tropische Natur angepasst. Die Bauweise ist offen. Große, geschwungene Dächer fangen jeden Lufthauch ein. In den innenliegenden Räumen halten hohe Fenster die Kühle. Der flexible Bambus macht die Konstruktion nicht nur erdbebensicher. Dank einer neuartigen Behandlung ist er auch gegen Schädlinge und Witterung geschützt. So haben die Bewohner lange Zeit etwas von der Baukunst.

 

Finca Bellavista, Costa Rica

© James Lozeau, http://www.fincabellavista.com

Baumhaus-Community im Regenwald

Eine autarke Öko-Gemeinschaft in den Baumwipfeln: die Finca Bellavista integriert menschengemachte Gebäude und Gebilde in tropische Landschaft. Auf einer Halbinsel zwischen zwei Urwaldflüssen im Süden Costa Ricas verbinden Hängebrücken und Seilkonstruktionen unter dem smaragdgrünen Blätterdach des Regenwaldes einen 240 Hektar großen Komplex zu einem Baumhausdorf, das in seiner Idylle an die Ewok-Siedlung aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnert. Bauten werden ausschließlich auf Stelzen und in Bäumen errichtet. Feste Fundamente sind tabu. Öko-Anbau, passive Beleuchtung und Biogasanlage sorgen dafür, dass die Community weitestgehend unabhängig lebt. Die Finca Bellavista ist unter anderem ein Non-Profit-Ökohotel. Während Gäste für eine kurze Auszeit ins Paradies kommen, arbeitet das Finca-Team an der Verwirklichung seines Traums: die friedliche Koexistenz von Mensch, Natur und Regenwaldbewohnern.

 

Kvivik Iglus, Färöer Inseln

© Ulrich Latzenhofer; https://www.flickr.com/photos/latzenhofer/3844276977/?map=1

Grüne Architektur im hohen Norden

Minimalistisch klein, mitten im Nirgendwo und inszeniert als Kuppelbau: Die „Kvivik Iglus“ sind auffällige Erscheinungen. Abgeschieden gelegen in der rauen Natur der Färöer Inseln und auf das Wesentliche reduziert, laden sie temporäre Bewohner ein, sich auf sich selbst und die unmittelbare Umgebung zu besinnen. 91 Quadratmeter Wohnfläche befinden sich unter einem Dach, auf dem es grünt, wächst und gedeiht. Die spezielle geodätische Architektur erinnert in ihrer Form an einen Fußball. Fensterwaben verbinden sich zu Glasflächen, die einen maximalen Lichteinfall zu jeder Tageszeit ermöglichen. Schwarze Außenwände sorgen zusätzlich dafür, dass sich das Innere erwärmt. Die aerodynamische Fachwerkkonstruktion ist ideal für exponierte Lagen und strenge Witterungsverhältnisse. Sie verteilt Schneelasten im Winter und trotzt ganzjährig den Stürmen. Dank Kuppelbauweise lässt sich mit geringstem Materialeinsatz das größtmögliche Volumen umspannen. Verglichen mit einem quadratischen Grundriss hat der „Geodom“ bei gleichem Innenraum 20 Prozent weniger Oberfläche. So passt sich seine minimalistische Form dezent in die Landschaft ein.

 

Wohnen in perfekter Harmonie mit der Umwelt

Minimaler Baustoffeinsatz, optimierte Platznutzung, nachhaltige Materialien: Grüne Architektur bietet viele Ansätze, die den Traum vom naturnahen Wohnen ein Stück weit Realität werden lassen. Dafür muss man nicht ins Exil in Wälder und Wildnis. Auch urbane Unterkünfte, zum Beispiel auf dem Wasser, bieten Rückzugsräume, die ihre Bewohner zur Ruhe kommen lassen – und ihrer elementaren Umwelt näher.

 


 

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