Klein aber fein - Wie mobile Häuser das Wohnen verändern

31. August 2017

Die Tiny-House-Bewegung gewinnt immer mehr Anhänger. Dabei spielen Werte wie Einfachheit und Nachhaltigkeit eine große Rolle. Mobile Häuser, eine spezielle Form der Minihäuser, gliedern sich in diesen Trend ein. Verschiedene Unternehmen im deutschsprachigen Raum entwickeln die rollenden Heime, die bei Bedarf dem Besitzer an einen neuen Wohnort folgen. In diesem Beitrag erfahren Sie, was diese Container- und Modulhäuser auszeichnet. Außerdem zeigen wir Ihnen zwei beeindruckende Beispiele.

 

Tiny Houses

© Pixabay; https://www.pexels.com/photo/agriculture-alone-barn-clouds-259618/

 

Vielseitig einsetzbar

Mobile Häuser lassen sich vielfältig nutzen, etwa als Sommerhaus im Grünen, Gästeherberge, Hauptwohnsitz, Anbau, Büro und sogar als Kindergarten oder Studentenwohnheim in Modulbauweise. Es handelt sich dabei nicht um Wohnwagen im klassischen Sinn, sondern um Haustypen, die ohne dauerhafte Bodenverankerung auskommen. Sie besitzen jedoch eine Bodenplatte, auf der die einzelnen Elemente montiert sind. Einige Minihäuser haben einen fahrbaren Untersatz, andere lassen sich einfach auf- und wieder abbauen. Die Wohn- bzw. Nutzfläche variiert zwischen neun und 50 Quadratmetern, sie kann jedoch auch größer sein.

 

Mehr zum Thema Bauen mit Holz: wie ensteht eine Dachkonstruktion aus Holz mit Spannweiten von über 85 Metern, die so noch nie vorher gebaut worden ist?

 

Autark und unabhängig

Die Idee für mobile Wohnhäuser entstand aus einer rechtlichen Not heraus, denn die Bauvorschriften im deutschsprachigen Raum lassen keine autarken Lösungen für feste Häuser zu. Deshalb begann das österreichische Unternehmen WW Wohnwagon GmbH, bewegliche Minihäuser zu entwickeln, die eine vollkommen unabhängige Selbstversorgung der Nutzer gewährleisten. Zur Ausstattung gehören etwa ein geschlossener Wasserkreislauf mit Grünkläranlage auf dem Dach sowie ein Photovoltaik-System. Die meisten anderen Minihaus-Modelle sind jedoch noch auf die örtliche Strom- und Wasserversorgung angewiesen.

 

Nachhaltig und effizient

Bei der Konstruktion der mobilen Häuser kommen vor allem nachhaltige Materialien zum Einsatz, beispielsweise recycelte Baustoffe, heimische Hölzer oder ökologische Dämmstoffe wie Schafwolle. Für die Innenausstattung wählen die Architekten Möbel aus Massivholz, die sie mit biologischen Farben und Lacken behandeln.

 

Die Designer gestalten den Innenraum dabei sehr effizient, ohne auf Ästhetik zu verzichten:

  • Wenige Wände
  • Einbau von Haustechnik und Stauraum im doppelten Boden
  • Nutzung der Dachfläche, z.B. für Wasseraufbereitung und Stromerzeugung

Statt kleiner Fenster sind auch große Glasfronten möglich. Diese Tatsache überzeugte beispielsweise die Schweizer Flugsicherung Skyguide, die ihr Modulhaus als Büro nutzt. Es gibt zahlreiche spannende Projekte, die bereits umgesetzt wurden oder in Planung sind. Eins davon befindet sich in der schottischen Wildnis, ein anderes mitten in der deutschen Hauptstadt.

 

Das Sweeney’s Bothy in Schottland

 

Im Jahr 2013 konzipierte das Bothy Project um den Architekten Ian McLeod und den Künstler Alec Finlay eine Schutzhütte auf der Isle of Eigg in Schottland: Sweeney’s Bothy. Als Inspiration diente der gälische König und Dichter Sweeney aus dem 7. Jahrhundert. Er musste einst in die Wildnis fliehen und über zehn Jahre unter den Tieren leben. In dem mobilen Haus in Modulbauweise können sich Künstler, Musiker und Autoren zurückziehen, um kreativ zu sein. Die großflächige Glasfront eröffnet einen weiten Blick aufs Meer und die umgebende Wildnis. Ein Kamin sorgt für Behaglichkeit und das Schlafpodest thront hoch über dem Boden.

 

Elementhouse – ein Heim für Flüchtlinge in Berlin

© Tiny House University from Johann Angermann on Vimeo; https://vimeo.com/166980700

 

Ein aktuelles Projekt des Architekten Van Bo Le-Mentzel aus Berlin bringt Flüchtlinge, Ehrenamtliche sowie öffentliche Einrichtungen zusammen: die Tiny Houses University Kreuzberg. Gemeinsam denken sie über die Wohnung der Zukunft nach. Ein erstes Ergebnis dieser Überlegungen ist das „Elementhouse“. Diese mobile Häuserform soll in Turnhallen aufgestellt werden, in denen Flüchtlinge untergebracht sind. Sie besteht aus zwei klappbaren Holzwänden, die mit Fenstern, einem Dach sowie Betten ausgestattet sind. Durch die modulare Gestaltung lassen sich die Elementhouses nicht nur leicht transportieren, sondern auch individuell zusammenstellen. Den Geflüchteten soll damit die Gelegenheit gegeben werden, ein eigenes Heim zu bauen.

 

Mobile Häuser – Ein Modell für die Zukunft?

Mobilität spielt in unserer heutigen Gesellschaft eine große Rolle. Bewegliche Modulhäuser folgen diesem Trend. Zugleich verringern sie durch ihre Konzipierung die Bauzeit erheblich und sind ein Beispiel für nachhaltiges Bauen. Sie begegnen damit einer steigenden Herausforderung für Architekten und Stadtplaner: der Wohnraumknappheit in den Metropolen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Tiny Houses – diese kleinen, komfortablen und flexiblen Gebäude – als zukunftsfähig erweisen.

  


 

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