Das sind die Vor- und Nachteile von Bauen mit Beton

28. März 2017

Beton ist wegen seiner statischen, ästhetischen und manch bauphysikalischer Eigenschaften beliebt. Seiner Nutzung sind jedoch logische und faktische Grenzen gesetzt.

 

Er ist der Baustoff der Moderne und noch immer einer der prägendsten unserer Zeit: Beton. Spätestens seit den 1950ern feiert er seinen weltweiten Siegeszug in allen Formen der Architektur – von der Infrastruktur bis zum höchsten Gebäude. Sein anhaltender Erfolg beruht dabei längst nicht mehr bloß auf seinen „Ureigenschaften“ wie einer hohen Druckfestigkeit, sondern mittlerweile auch auf seiner enormen Wandelbarkeit.

 

House in Akitsu

© Kazunori Fujimoto; House in Akitsu

 

Beton ist nicht gleich Beton. Etliche Spielarten des Materials ermöglichen neben unterschiedlichen statischen und bauphysikalischen Qualitäten auch eine große ästhetische Bandbreite. Gerade letztere ist zunehmend ein schlagendes Argument dafür, dass sich viele Bauherren ganz „offen“ für ein „Leben in Beton“ entscheiden.

 

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Ästhetischer Paradigmenwechsel

Es ist noch nicht lange her, da tat man alles, um nackten Beton zu verstecken. Selbst heute kann es noch passieren, dass man in einem knapp 20 Jahre alten Haus auf Deckenverkleidungen aus Holz oder Polystyrol trifft. In zeitgenössischer Architektur ein modisches Verbrechen.

 

Hier hat sich mittlerweile der unverblümte Anblick des kruden Baustoffs in Decken, Wänden und sogar in Form von Möbeln als schickes gestalterisches Element etabliert. Selbst puristische, gänzlich in Sichtbeton gehaltene Schöpfungen sind da durchaus keine Seltenheit.

 

Sichtbeton hat viele Gesichter. Unterschiedliche Schalungen ermöglichen ebenso verschiedene Oberflächen und Muster. Das natürliche Grau des Materials transportiert eine moderne Eleganz und gilt unter Puristen als das Höchste der Gefühle. Dabei ist Sichtbeton längst nicht mehr auf diese Farbe festgelegt. Durch den Zusatz von Pigmenten lässt er sich in über 150 Farben einfärben. Noch extravaganter (und erheblich teurer) geht es mit Foto- oder Lichtbeton.

House in Akitsu

© Kazunori Fujimoto; House in Akitsu

 

Sicher und (fast) angenehm

Natürlich genießen diejenigen, die von Beton umgeben leben, nicht nur ästhetische Vorteile. Beton vermittelt durchaus zu Recht einen Eindruck von Sicherheit. Der nicht brennbare Baustoff bleibt selbst noch bei Temperaturen von bis zu 1000 °C weitgehend fest und bietet so im Brandfall optimalen Schutz. Aufgrund guter schallisolierender Eigenschaften trägt er zudem seinen Teil zum Frieden unter Nachbarn bei. Ein wirklich gutes Raumklima ist hingegen eher ein Mythos. Beton nimmt Feuchtigkeit schlecht auf und gibt diese nur zaghaft wieder ab. So kommt es unter Umständen ohne zusätzliche Lüftungsanlage zu unangenehm feuchten Wänden und einer Anfälligkeit für Schimmel.

 

House in Akitsu

© Kazunori Fujimoto; House in Akitsu

Problembaustoff Beton

Besonders im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit erweist sich Beton als Problemkind. Die für Beton notwendige Herstellung von Zement kostet große Mengen an Energie und geht obendrein mit erheblichen CO2-Emissionen einher. Darüber hinaus stellt die der Betonproduktion geschuldete fortschreitende Verknappung von Bausand ein weitreichendes Problem dar. Dementsprechend müsste die Verwendung des Baustoffs nicht nur mit Blick auf den Treibhauseffekt sinnvoller Weise begrenzt werden, sie wird auch auf lange Sicht aufgrund fehlender Ressourcen schlicht nicht mehr möglich sein.

 

So unerlässlich Beton im Ingenieurbau auch sein mag, finden sich im Wohnungsbau doch längst bessere Alternativen. Diverse Pilotprojekte im Geschosswohnungsbau zeigen, dass mittlerweile selbst extrem hohe Holzbauten unter geringer Beteiligung von Beton möglich sind. Der Naturbaustoff bietet dabei obendrein wirklich ein angenehmes Raumklima. Und was den rein ästhetischen Aspekt der puritanischen Schönheit Betons betrifft, so vergehen modische Trends seit jeher ebenso schnell, wie sie entstehen.

 


 

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