Kristallschiff von MAD Architects

25. März 2020

MAD Architects beweisen mit dem Yiwu Grand Theater aufs Neue ihr Händchen für außergewöhnliche Kulturbauten – diesmal in maritimer Form.

 

Dass MAD Architects wohl zu den kreativsten Köpfen ihrer Zunft gehören, zeigten wir bereits anhand ihrer ausgefallenen Hochhaus-Typologien. Doch die Meister aus Fernost kennen sich nicht nur in extremen Höhen aus, sie sind auch Experten in Sachen extravaganter Kulturarchitektur. Zu nennen sei hier etwa das Harbin Opera House, mit dem sich das Büro 2015 ein Denkmal setzte. Die höchst organische Kombination aus Schneeverwehung und abstrakter Jurte stellte damals unter Beweis, dass man auch in China Kurven à la Zaha Hadid beherrschte. Nun verpasst MAD der Stadt Yiwu ein ikonisches Kulturhaus, das in ungewöhnlicher Weise ein maritimes Thema aufgreift.

 

Glas ist eindeutig das dominante Element in MADs Entwurf für das Yiwu Grand Theater. Doch geht es hier nicht um die üblichen gläsernen Fassaden, wie man sie etwa von unzähligen Bürogebäuden kennt, sondern vielmehr um weitläufige Flächen, die an die Leichtigkeit von Textilien gemahnen. Ein wildes Konglomerat aus einander teils überlappenden, halbtransparenten Segeln strukturiert das Gebäude und vermittelt den Eindruck eines kristallenen Segelschiffs. Tatsächlich soll das Museum an chinesische Dschunken erinnern, die einst den bis heute gültigen Status Yiwus als wichtige Handelsstadt begründeten. Die geschwungene Form der Glasflächen greift zusätzlich die Traufen traditioneller Häuser der Provinz Zhejiang auf.

 

Passives Solardesign

Aufgrund des hohen Energiebedarfs in seiner Herstellung zählt Glas freilich nicht unbedingt zu den nachhaltigsten Baustoffen, was gewiss als Manko der extensiven Glasflächen gewertet werden könnte. Dem halten MAD Architects jedoch ein „passives Solardesign“ entgegen, das den Gesamtenergieverbrauch reduzieren soll. Demnach ist die halbtransparente Fassade so konzipiert, dass sie im Sommer als Sonnenschutz dient und zugleich für eine gute Durchlüftung sorgt. Daneben sollen die Glassegel eine optimale natürliche Belichtung bieten und im Winter mittels Treibhauseffekt Heizenergie sparen.

 

Entwurf mit Überzeugungskraft

In jedem Fall kamen offenbar sowohl das förmliche als auch das energetische Konzept für den Kulturbau gut bei der Jury des internationalen Wettbewerbs um das Yiwu Grand Theater an. Der Entwurf mit zwei Theatersälen, einem Konferenzraum sowie einem öffentlichen Platz dazwischen konnte sich gegen namhafte Konkurrenz durchsetzen: 2019er Pritzker-Preisträger Arata Isozaki, Atelier Christian de Portzamparc oder auch GMP hatten hinter MAD Architects das Nachsehen.


 

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