Hier wird hoch gestapelt: 3 Beispiele für kreative Container-Architektur

19. Mai 2020

Ob in Wirtschaft, Lifestyle oder Architektur: Der Ruf nach neuen und nachhaltigen Ideen ist laut. Es gibt wenig Raum und die Ressourcen werden immer knapper – warum also nicht auf Upcycling setzen? Die Container-Architektur nimmt sich diesem Prinzip an. Aus gebrauchten Schiffscontainern entstehen in einer modularen Bauweise individuelle Luxuswohnhäuser, minimalistische Ferienwohnungen oder ganze Studentendörfer. Lernen Sie hier drei Beispiele für diese nachhaltige und flexible Architektur kennen.

 

WFH House, Dänemark

Das Architektenbüro Arcgency1 hat sich zum Ziel gesetzt, ein modulares Wohnhaus zu schaffen, das Energie spart und in der Fertigstellung die Umwelt schont. Das Schiffscontainer-Haus der dänischen Architekten erfüllt diese Bedingungen voll und ganz. Mit dem 180 Quadratmeter großen WFH House in Container-Architektur lässt sich jederzeit und überall ein Gebäude aus gebrauchten Schiffscontainern erbauen.

Schiffscontainer1

© Arcgency / Mads Møller; WFH Containerhaus

 

Die Container bilden dabei die zwei gegenüberliegenden Seiten des Baus, in der Mitte befindet sich mit dem Flex-Space das Zentrum des Container-Hauses. Es wird von einem schräg verlaufenden, begrünten Dach abgeschlossen.

 

Schiffscontainer2

© Arcgency / Markus Lindhe; WFH House Dänemark

 

Seine Energie speist das Modulhaus aus Photovoltaikzellen. Die Schiffscontainer bilden den Rohbau, der sich den individuellen Bedürfnissen der zukünftigen Bewohner flexibel anpasst. Sie werden mit Holzkammerwänden verkleidet, die als Dämmung fungieren. Der Prototyp des Hauses befindet sich seit 2012 Dänemark. In China fand sich bereits ein Käufer des Mobulbaus.

 

Container-Architektur_WFH-House-Innenraum_c_LINDHE_1810

© Arcgency / Markus Lindhe; WFH House Dänemark

 

House 28, Australien

Einen spektakulären Blick auf die Great Ocean Road und die Otway Coast haben Besucher des House 28. Das Wochenend-Retreat wurde vom australischen Edwards Studio2 entworfen und besteht im Wesentlichen aus drei Schiffscontainern. Sie sind hintereinander angeordnet und ruhen auf einer Stahlkonstruktion, die mit Betonpfeilern in den Küstenhang gebaut ist.

 

In den ersten beiden Containern befindet sich der Wohnraum mit Toilette, im dritten Container sind zwei Schlafzimmer und ein weiteres Bad mit Dusche untergebracht. Alle Wohnbereiche sind schlicht mit Sperrholz verkleidet, ein Highlight ist der Ausblick durch die großflächigen Fenster und verglasten Türen. Der Blick geht gen Süden, so dass Besucher morgens mit der Aussicht auf den Ozean erwachen.

 

Diese minimalistische Architektur beschränkt sich auf das Wesentliche, weshalb auch die Außenseite des Container-Hauses lediglich mit einfach verzinktem Stahlblech verkleidet ist. Es soll praktisch mit der umliegenden Natur verschmelzen. Deshalb wurde auch das Dach mit einheimischen Dichondra-Gewächsen bepflanzt. An der Nordseite des Schiffscontainer-Hauses ermöglichen Verankerungen, dass weitere Pflanzen über das Gebäude ranken und wachsen können.

 

 

Frankie & Johnny, Deutschland

Die Container-Architektur nimmt sich auch dem Problem des Mangels an Wohnraum in deutschen Großstädten an. Vor allem Studenten fehlt es an bezahlbaren Wohnungen, was sich in Berlin schon bald ändert. Dort baut das Architektenbüro Holz Kobler Architekturen3 im Auftrag der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH im Stadtteil Treptow das Studentendorf Frankie & Johnny. Vorbilder für die studentischen Container-Häuser stehen beispielsweise in Amsterdam und mit dem Projekt „Urban Rigger“ auch in Kopenhagen.

 

Das Berliner Studentendorf besteht aus etwa 420 Cortenstahl-Containern, die nebeneinander und versetzt übereinander gestapelt wurden. Aus den 40-Zoll-Containern lassen sich Single-, Double- und Double-Mini-Einheiten kombinieren. Das Studentendorf in Container-Architektur umfasst drei langgestreckte Gebäude, die Frankie, Johnny und Nelly genannt wurden. Zwischen den Bauten befinden sich Grünflächen, die zum Ausruhen und Sport machen einladen. Als Ort des Austausches sind die Laubengänge gedacht, die jeweils zu den Innenhöfen ausgerichtet sind, im Erdgeschoss laden Sitzpodeste zum gemeinsamen Entspannen ein.

 

Mit dem sich weiter verschärfenden Mangel an Bauflächen im urbanen Wohnumfeld werden Lösungen wie die Container-Architektur immer attraktiver. Häuser aus Schiffscontainern passen sich den Gegebenheiten flexibel an und können schnell Wohnraum schaffen. Das Container-Prinzip schafft aber auch temporäre Räume: Das Ras Abu Aboud Stadion in Katar entsteht aus Containern und wird nach der Fußballweltmeisterschaft 2022 wieder abgebaut. Lernen Sie die Idee dieses Container-Fußballstadions hier kennen.

 

Quellen:

https://arcgency.com/wfh-house

2 https://www.studio-edwards.com/house-28

3 https://holzerkobler.com/de/project/frankie-johnny


 

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