Konstruktiver Ingenieurbau mitten in der Wüste: Der Port of Duqm

25. September 2017

Der Port of Duqm im Oman entwickelt sich derzeit zu einem bedeutenden Umschlagplatz im Mittleren Osten. Erste Reedereien aus Europa verschiffen ihre Waren über diesen Hafen und auch asiatische Länder wie Indien haben großes Interesse an wirtschaftlichen Kooperationen. Da lohnt sich ein Blick zurück – auf die Konstruktion zweier Trockendocks, die zwischen 2009 und 2011 errichtet wurden. Die Architekten modellierten diesen Ingenieurbau komplett in 3D, was für die komplizierten Schalungen und Bewehrungen einen immensen Vorteil darstellte. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie die Planer aus Südkorea erfolgreich die vielfältigen Schwierigkeiten meisterten.

  Port of Duqm

© ALLPLAN GmbH; Port of Duqm

Die Herausforderung: Extreme Zeitvorgaben

Schnell sollte der Bau vonstattengehen – so die Forderung der omanischen Regierung. Innerhalb von drei Jahren Bauzeit sollte in einer wüstenähnlichen Umgebung ein 100 Hektar großes Gelände entstehen: mit verschiedenen Werft- und Krananlagen, Tiefwasserliegeplätzen, Lagerflächen, Unterkünften, Bürogebäuden, einer drei Kilometer langen Kaimauer sowie einer vorgelagerten Mole – einem sogenannten Wellenbrecher.

 

Doch das war nicht alles. Hauptaugenmerk lag auf der Errichtung zweier Trockendocks, die mit einer Länge von jeweils 410 Metern Platz für Supertanker mit einem Gewicht von bis zu 350.000 Tonnen bieten. Unvorhergesehene Probleme beim Bau mussten in jedem Fall vermieden werden. Zudem stand für die Planung ein Zeitfenster von lediglich drei Monaten zur Verfügung – von Anfang November 2008 bis Ende Januar 2009.

 

Die Lösung: Building Information Modeling (BIM)

Als Generalunternehmen für diesen Industriebau agierte der südkoreanische Baukonzern Daewoo Engineering & Construction. Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering übernahm die Planung aller Anlagen und der Dienstleister BasisSoft unterstützte im Bereich Software. Angesichts der genannten Herausforderungen entschieden sich die Kooperationspartner dazu, die Arbeitsmethode BIM in Kombination mit Allplan Engineering anzuwenden. Sie verbanden eine integrierte Arbeitsweise mit einem virtuellen Tragwerksmodell.

 

In diesem 3D-Modell flossen die Teilmodelle der einzelnen Fachplaner zusammen, auch die Schalungs- und Bewehrungspläne. Eventuelle Änderungen an den Anlagen konnten die Architekten und Ingenieure direkt einpflegen. So ließen sich alle Grundrisse, Ansichten, Schnitte und Listen zentral verwalten. Dank BIM waren sie jederzeit abrufbar und aktuell.

 

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Der größte Vorteil: Eine 3D-Modellierung des Bewehrungsplans

Bei diesem straffen Zeitplan betrachteten die Planer die 3D-Visualisierung jeglicher Komponenten als einen entscheidenden Vorteil. Die Pumpstation beispielsweise enthielt durch die Strömungsöffnungen hochgradig individuelle Strukturen, was die Bewehrung schwierig gestaltete. Die Schalkanten der Konstruktion konnten jedoch automatisch aus dem zentralen Modell übernommen werden. Wäre die Planung allein in 2D erfolgt, hätte die Bestimmung der Lage und die Abmessungen der Stahlstäbe einen viel höheren Zeitaufwand nach sich gezogen.

 

Mithilfe von 3D-PDF-Dateien überprüften die Planer die gesamte Baustruktur auf mögliche Kollisionen. Änderungen ließen sich zu diesem Zeitpunkt problemlos integrieren, da der Bau noch nicht begonnen hatte. Die dazugehörigen Pläne und Listen, wie Stahl- und Biegelisten, oder die Volumina an Transportbeton aktualisierten sich im zentralen Modell automatisch. Dank der dreidimensionalen Darstellung konnten zudem alle Projektbeteiligten die einzelnen Baukörper bis ins Detail verstehen.

 

Ein fehlerfrei geplanter und termingerechter Industriebau

BIM war nicht nur in der Planung von Vorteil, sondern auch in der Realisierungsphase. 2D-PDF-Dateien enthielten neben den üblichen Plänen isometrische Darstellungen oder Explosionszeichnungen. Das vereinfachte die Kommunikation der Mitarbeiter am Bau. Diese stammten aus verschiedenen Ländern und konnten so auch ohne ausreichende Sprachkenntnisse das Bauwerk verstehen.

 

Die Projektpartner hielten durch diese Vorgehensweise das enge Zeitfenster ein. Zudem konnten sie eine äußerst hohe Planungsqualität gewährleisten und einen fehlerfreien Bau des Port of Duqm ermöglichen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Bauwerke, die mit Building Information Modeling geplant wurden. Welche das sind, erfahren Sie in unserem Beitrag „10 innovative BIM-Projekte, die Sie kennen sollten“.

 


 

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