Innovatives Malmö: Nachhaltige Stadtplanung für die urbane Zukunft

7. November 2016

Unsere Städte wachsen stetig. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass im Jahr 2050 rund 70 Prozent der Weltbevölkerung im urbanen Raum leben wird. Und so groß wie die Mega-Cities sind auch die Herausforderungen an die Stadtplanung. Nachhaltigkeit und Lebensqualität zählen zu den wichtigen Zielen, um die soziale und wirtschaftliche Stabilität zu sichern. In unserer Serie „Die Stadt der Zukunft“ stellen wir Ihnen innovative Konzepte aus der Praxis vor. Den Auftakt gibt das schwedische Malmö, das auf der OECD-Liste der innovativsten Städte der Welt Platz 4 einnimmt.

 

Malmö Westhafen

© pixabay - CC 0, https://pixabay.com/de/malm%C3%B6-luftaufnahme-turning-torso-1151153

 

Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit, sozialer Fortschritt

Wie sieht Nachhaltigkeit im echten Stadtleben aus? Und welche Anforderungen müssen erfüllt werden? Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit und sozialer Fortschritt sind zentrale Ziele. Dazu gehören erneuerbare Energien, Flächeneffizienz, innovative Mobilitätskonzepte und umweltfreundlicher Nahverkehr genauso wie regionale Lebensmittel, nachhaltige Wasserversorgung und vollständige Abfallverwertung – komplexe Herausforderungen für die Stadtplanung.

 

Felix Platter-Areal in Basel als Beispiel für subtile architektonische und  städtebauliche Ausformulierung im Schnittpunkt von Wohnquartier, öffentlicher  Infrastruktur und der Architektur-Ikone des alten Felix Platter-Spitals.

 

Projekt Westhafen: Das erste klimaneutrale Stadtgebiet Schwedens

Diesen Herausforderungen stellt sich Malmö bereits seit dem Jahr 2000 mit dem Bauprojekt Westhafen, einem ehemaligen Industriegebiet, das bis 2025 zum ersten klimaneutralen Stadtgebiet Schwedens avancieren soll. Es wird zu 100 Prozent mit lokaler Energie aus Wind, Sonne und Biogas versorgt. Der Strom stammt aus dem nahegelegenen Offshore-Windpark Lillgrund im Öresund. Solarkollektoren, Wärmepumpen und Grund- sowie Meerwasser werden für das Heizen und Kühlen verwendet. Insgesamt entstehen hier Arbeits-, Wohn- und Studienplätze für bis zu 12.000 Einwohner.

Der gute Dialog

Malmö hat sich mit dem Westhafen neu erfunden und das staubige Image der Industriestadt abgelegt. Als die „Kockums Werft”, der damals größte Arbeitgeber Malmös, Ende der 1980er Jahre ihre Schleusen schloss, kaufte die Stadt das Areal. Sie vergab Aufträge an Immobilien-Unternehmen, die besonders innovative Nachhaltigkeitskonzepte vorstellten. Unter dem Motto „Der gute Dialog“ fanden alle Beteiligten gemeinsam Lösungen. So entstand unter anderem der Wohnturm „Turning Torso“ des spanischen Architekten Santiago Calatrava. Das energieeffiziente Gebäude schraubt sich wie ein Korkenzieher 190 Meter in die Höhe und gilt heute als Wahrzeichen der Stadt

Soziale Integration schafft Nachhaltigkeit

Obwohl die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Neuanfang im Westhafen ideal waren, stellte sich die Aufwertung und Sanierung bestehender Stadtteile und Quartiere wie Rosengård als schwierig heraus. Hierbei setzten die Stadtplaner von Anfang an auf den Dialog mit den Anwohnern. Sie organisierten Workshops, um die Wünsche der Bewohner besser zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu finden, wie die soziale Struktur verbessert werden kann. Heute reihen sich in den einstmals verwahrlosten Hinterhöfen Gemüsegärten im Stil des Urban Farming aneinander.

Mobilität in Malmö

Malmö verfügt über ein 500 Kilometer langes Fahrradnetz. Jede vierte Fahrt wird auf zwei Rädern unternommen – das entspricht 25 Prozent des Gesamtverkehrs. Darüber hinaus ist Malmö die erste Großstadt in Schweden, die Haushalte dazu verpflichtet, organischen Abfall zu sammeln. Dieser wird anschließend abgeholt und in Biogas umgewandelt. Schon heute fahren die Busse in Malmö zu 100 Prozent mit erneuerbarem Treibstoff.

Nachhaltige Esskultur, nachhaltiger Konsum

In den Schulkantinen und Kindergärten Malmös serviert die Stadt gesunde Bio-Gerichte, die klimafreundlich produziert wurden und aus der Region stammen. Bis zum Jahr 2020 sollen alle Lebensmittel, die vom Sozialsystem der Stadt ausgegeben werden, nachhaltig sein. Das gilt auch für das Konsumverhalten: Viele Einzelhändler bieten Fairtrade-Ware an. Darüber hinaus haben mehr als 200 Unternehmen die „ethische Kaffeepause“ eingeführt, in der die Mitarbeiter ausschließlich Kaffee aus sozialverträglicher Herkunft konsumieren.

Alle werden gebraucht

Mit den vorgestellten Maßnahmen und Initiativen nimmt Malmö eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Stadtentwicklung ein. Ein wichtiger Grund für den Erfolg liegt dabei vor allem in der Einbeziehung der Einwohner. Nicht umsonst lautete das Motto des Jahresberichts 2013 der Kommission für ein sozial nachhaltiges Malmö: „Es gibt keinen Grund zu existieren, wenn man nicht für ­irgendetwas gebraucht wird. Deshalb muss eine Gesellschaft so organisiert werden, dass jeder gebraucht wird. Wir verlangen, gebraucht zu werden!“

 

 

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