Wie nachhaltig ist Energieeffizienz?

[fa icon="calendar"] 9. Mai 2017

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit liegen (und das hoffentlich nachhaltig) im Trend – das reicht vom einzelnen Verbraucher bis zur Gesetzgebung. Auf den ersten Blick scheinen beide eng miteinander verwoben, ja, geradezu ein und dasselbe Ziel, nämlich die Schonung von Umwelt, Klima und Ressourcen, zu verfolgen. Doch dieser Eindruck kann täuschen. Nicht alle Maßnahmen zur effizienten Energienutzung weisen auch eine gute Ökobilanz auf. Und dann liegt es natürlich immer noch am Verbraucher selbst, wie nachhaltig er letzten Endes mit effizient genutzter Energie umgeht.

 Fassadendämmung

© Fotolia / schulzfoto; Fassadendämmung

Die Ökobilanz richtet sich nach Kriterien wie der Art der Rohstoffe, der für Herstellung, Transport, Lagerung etc. aufgebrachten Energie, den dabei entstehenden Emissionen, der Recyclingfähigkeit sowie der Giftigkeit für Mensch und Umwelt. Dass selbst die höchste Energieeffizienz nicht zwangsläufig mit einer positiven Wirkung auf all diese Aspekte einhergeht, ist gerade im Bau leicht nachzuvollziehen. In Deutschland müssen beispielsweise ab 2021 alle Neubauten den Niedrigstenergiehaus-Standard erfüllen. Viel energieeffizienter geht es nicht. Bloß benötigt der Bau eines neuen Hauses allein schon so viel Energie, dass diese sich selbst bei kompletter Einsparung der Betriebsenergie erst innerhalb von Jahrzehnten amortisiert.

 

Graue Energie und CO2-Emissionen

Dementsprechend werden Häuser in Zukunft verstärkt an dieser in ihnen enthaltenen „grauen Energie“ gemessen werden. Wie hoch diese ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So ist etwa die Bauweise entscheidend dafür, wie viel Energie beim Bau selbst anfällt. Hier benötigt zum Beispiel ein Fertighaus in Holztafelbauweise weit weniger als ein gemauertes Haus aus Ziegeln. Auch die Art der Baustoffe – wie sie hergestellt werden und wo sie herkommen – trägt signifikant zur grauen Energie bei. Wird das Holz für oben genanntes Fertighaus aus fernen Ländern importiert, wirkt sich das negativ auf dessen Energiebilanz aus.

 

Was definiert ein Plusenergiehaus und welche Vorteile bietet es? Die Antwort darauf finden Sie hier.

 

Ein Großteil der grauen Energie stammt noch immer aus fossilen Brennstoffen und geht somit mit klimaschädlichen CO2-Emissionen einher. Je nach Material entsteht allerdings auch durch chemische Prozesse bei der Produktion eine Menge Kohlenstoffdioxid. So ist zum Beispiel die Zementherstellung, selbst ohne die dafür verwendete Energie, allein für 5 % aller CO2-Emissionen verantwortlich. Dies macht gleichsam Beton zum Klimasünder. Allerdings gilt es auch hier jeweils genau hinzuschauen. Betondachsteine etwa schneiden in der Ökobilanz besser ab als Tonziegel.

 

Neubau versus Sanierung

Dass nachwachsende Rohstoffe nachhaltiger sind als endliche, liegt auf der Hand. Darüber hinaus punktet jeder Baustoff in der Ökobilanz, wenn er sich weitgehend recyceln lässt. Alle ökobilanziellen Kriterien zusammengenommen, können sich zwischen Gebäuden, die an sich ein und denselben Betriebsenergieverbrauch aufweisen, immense Unterschiede ergeben. Unterm Strich bedeutet aber selbst der nachhaltigste Neubau zunächst eine große Investition an Energie und Rohstoffen sowie eine hohe Umweltbelastung durch CO2 und Bauabfälle. Stellt man diese Werte einer energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden gegenüber, fällt die Ökobilanz eindeutig zugunsten letzterer aus.

 

Einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zufolge rechnen sich aus ökologischer Sicht vor allem Energiesparmaßnahmen wie neue Heizsysteme und Dämmung der Gebäudehülle bereits innerhalb weniger Monate oder Jahre. Beide Maßnahmen zusammen ergeben allerdings nur bei älteren, schlecht gedämmten Gebäuden Sinn. Für neuere, besser isolierte Häuser lohnt sich in der Ökobilanz kurzfristig nur die Umrüstung der Heizung. Die besten Werte erzielen hier übrigens Erdwärmepumpen, die zu einem Großteil mit Photovoltaik-Strom betrieben werden.

 

Faktor Verbraucher

Am Ende kommt es auch auf den Verbraucher an. Geht es diesem bei der energetischen Sanierung seines Gebäudes in erster Linie um Kosteneffizienz, mag er zum Beispiel günstig in eine neue Gasheizung (hohe CO2-Emissionen) und PUR-Dämmung (auf Rohölbasis) investieren. Ferner kann Energieeffizienz bei einseitigem Fokus auf die Kosten zum sogenannten Rebound-Effekt führen, so dass man im Bewusstsein der Kosteneffizienz wieder verschwenderischer mit der Energie umgeht. Die größte Umweltbelastung ergibt sich jedoch aus der Entscheidung zum Neubau. Ein solcher ist zwar oftmals aus vielerlei Gründen unumgänglich. Kann ein Bestandsgebäude jedoch die gleiche Funktion erfüllen, ist dies der nachhaltigere Weg.

 


 

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