Haus für die Welt: Ecological Living Module

16. Juni 2020

New Yorker Architekten und Wissenschaftler der Universität Yale haben im Auftrag der UN ein genial nachhaltiges und autarkes Tiny House entwickelt, das obendrein günstig produziert werden könnte.


Weltweit lebt etwa eine Milliarde Menschen in informellen Behausungen, oftmals ohne zuverlässige Versorgung durch Wasser, Essen, Sanitäranlagen und Elektrizität. Gleichzeitig verschlingt die Wohnungswirtschaft etwa 40 Prozent sämtlicher globaler Ressourcen und erzeugt obendrein ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen. Um all diese Probleme möglichst gebündelt und effizient zu bekämpfen, haben das Umweltprogramm der Vereinten Nationen sowie das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen das Ecological Living Module (ELM) in Auftrag gegeben. Das autarke vorgefertigte Wunderwerk wurde 2018 zum ersten Mal voll funktionsfähig auf dem Vorplatz des UN-Hauptquartiers in New York aufgebaut.

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© David Sundberg/Esto

Küche, Wohnraum und ein Mezzanin-Geschoss zum Schlafen umfasst der Innenraum des Tiny-Homes, das die Architekten von Gray Organschi Architecture zusammen mit dem Center for Ecosystems in Architecture der Universität Yale entwickelt haben. Bis zu vier Personen sollen hier auf gut 20 Quadratmetern „off-the-grid“ leben können – und das komplett nachhaltig. Ermöglicht wird dies durch eine Kombination aus erneuerbaren, biogenen Baustoffen und neuester Technologien für Stromerzeugung, Wasserversorgung und Aufbereitung sowie Luft- und Abfallmanagement. Auch Form und Position des kleinen Gebäudes sind hinsichtlich Sonneneinstrahlung – für maximale Sonnenenergie für Photovoltaik, minimale Überhitzung und maximale natürliche Belichtung – und Auftriebslüftung optimiert.

 

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© David Sundberg/Esto

 

Strom- und wasserautark

Die benötigte Elektrizität erzeugt das Wohnmodul zunächst über herkömmliche Photovoltaikmodule. Zusätzlich zu diesen besteht das Dach zum Teil aus einem Integrated Concentrating Solar Facade System, entwickelt von der internationalen Kooperative HeliOptix. Diese spezielle Fassade erzeugt mehr Strom pro Quadratmeter als herkömmliche Photovoltaikanlagen, benötigt dabei allerdings weniger als ein Prozent Halbleitermaterial und lässt diffuses Sonnenlicht ins Gebäudeinnere. Auch die Wasserversorgung wird ausschließlich durch In-Situ-Systeme geregelt. 80 Prozent des Wasserbedarfs wird durch Regenwasser abgedeckt, das gesammelt, gespeichert und als Trinkwasser aufbereitet wird. Ergänzt wird dies durch ein Entfeuchtungssystem, das Luftfeuchtigkeit in nutzbares Wasser umwandelt.

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© David Sundberg/Esto

 

Rezykliertes Grauwasser wird zur Bewässerung von Nahrungspflanzen an der „Micro-Farming“-Wand genutzt. Ein gebäudeintegriertes modulares Phytosanierungssystem filtert Schadstoffe wie flüchtige organische Verbindungen aus der Luft, erhöht die mikrobielle Diversität und verringert die Anforderungen an die Frischluftzufuhr.

 

Kleiner Preis für Autarkie

Das Häuschen, das als „Bausatz“ in Containerform transportiert wird, konnte innerhalb von vier Wochen vorgefertigt und innerhalb von drei Tagen von einem Team aus 16 Personen aufgebaut werden. Die Architekten gehen davon aus, dass sich die Produktionskosten durch industrielle Produktion in hohen Stückzahlen auf unter 50.000 US-Dollar (etwa 44.000 Euro) pro Einheit belaufen könnten. Ein wahrlich kleiner Preis für so viel Nachhaltigkeit, Technologie und Autarkie.


 

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