Deutscher Brückenbaupreis 2018: Die Ingenieurkunst liegt in den Knoten

15. März 2018

Jedes Jahr im März findet das Dresdner Brückenbausymposium statt. Das größte Treffen deutschsprachiger Ingenieure bot vom 12. bis 13. März 2018 einen Überblick über die ganze Bandbreite des Brückenbaus. Zum mittlerweilen siebten Mal würdigten Bundesingenieurkammer und VBI zudem mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2018 herausragende Ingenieurleistungen. Zwei der sechs nominierten Projekte wurden mit Allplan realisiert. Eines davon kürte die Jury zum Sieger in der Kategorie „Straßen- und Eisenbahnbrücken“.

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© Ingolf Pompe / schlaich bergermann partner; Ingenieurbüro schlaich bergermann partner: nominiert im Bereich Straßen-und Eisenbahnbrücken

 

Symposium und Preis zu Ehren des Brückenbaus

Brücken verbinden. Sie sind Ausdruck der Kreativität und Innovationskraft zeitgenössischer Bauingenieurkunst, alltäglicher Teil unserer Infrastruktur – und ein in der Fachwelt gut gehütetes Geheimnis. Damit die breite Öffentlichkeit mehr über den Beitrag der Brückenerschaffer zur Baukultur hierzulande erfährt, vergeben Bundesingenieurkammer und der Verband Beratender Ingenieure VBI alle zwei Jahre den Deutschen Brückenbaupreis – 2018 zum siebten Mal. Schirmherr ist wieder das Bundesverkehrsministerium.

 

In den zwei Wettbewerbskategorien „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ sowie „Fuß- und Radwegbrücken“ kürt die Jury jeweils ein konstruktiv und ästhetisch herausragendes Bauwerk. Neben innovativen Großprojekten schaut sich das Expertenkomitee auch besonders gelungene Sanierungen und kleine, feine Pretiosen unter den deutschen Überführungen an. In diesem Jahr wurden 29 Wettbewerbsbeiträge eingereicht. Jeweils drei Brücken gingen in den beiden Kategorien ins große Finale.

 

Brückenbau im Wettbewerb

Siegerin in der Kategorie „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ ist die neue Bleichinselbrücke in Baden-Württemberg. Seit Jahrzehnten verbindet eine Brücke über den Alt-Neckar die Heilbronner Innenstadt mit der Bleichinsel. Gravierende Schäden machten 2015 eine Erneuerung der Überführung aus Spannbetonfertigteilen erforderlich. Das Stuttgarter Ingenieurbüro schlaich bergermann partner konzipierte die neue Überführung als 4-spurige Straßenbrücke mit seitlichen Geh- und Radwegen als integrales Bauwerk.

 

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© Ingolf Pompe / schlaich bergermann partner

 

Als Tragwerk wird eine Verbundkonstruktion mit obenliegender Betonfahrbahnplatte und längslaufenden Stahlhohlkästen den besonderen Anforderungen durch den Standort gerecht: Die Bundesstraße verläuft hier in einer flachen Flussaue. Die Betonfahrbahnplatte besteht aus Betonfertigbauteilen, die auf den Stahllängsträgern aufliegen, und einer Ortbetonergänzung. Gestützt wird der Überbau durch geneigte V-förmige Streben aus dichtgeschweißten Stahlhohlkästen. V-Streben und die Widerlager sind monolithisch an den Überbau angeschlossen. Die Brücke ist mit Pfahlkopfplatten und Großbohrpfählen in die tragfähige Schicht gegründet.

 

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© Ingolf Pompe / schlaich bergermann partner

 
Während der Vorplanung der Bleichinselbrücke und während der Ausführungsplanung für die Stahlbaukonstruktionspläne kam Allplan 2012 zum Einsatz. Die Bauausführenden konnten weitestgehend auf temporäre Gerüste und Schalungen verzichten. Eingriffe in die Landschaft und Behinderungen des Schiffsverkehrs während der Bauzeit ließen sich so minimieren.

 

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Ingenieurkunst in jedem Knoten

Die Bleichinselbrücke überzeugte die Jury als hervorragendes Beispiel für gute Gestaltung, die sich durch sorgfältiges Entwerfen und Konstruieren sehr wirtschaftlich umsetzen lässt. Das Gremium befand, dass den Ingenieuren ein ebenso elegantes wie nachhaltiges Bauwerk mit hohen Wiedererkennungswert gelungen sei. Das flache, breite Fahrbahndeck, das scheinbar schwebend über den Neckar führt, wurde ebenso positiv bewertet wie die kunstvolle Knotenkonstruktion der unterschiedlich geneigten Stützen. Letztere schaffen laut Juryurteil unter der Brücke einen Raum von höchster Aufenthaltsqualität.

 

Auch der zweite Allplan-Finalist, die neue Lahntalbrücke, erhielt eine ausgezeichnete Kritik. Der Ende 2016 fertiggestellte Ersatzneubau der Lahntalbrücke bietet auf 450 Metern Länge in über 60 Metern Höhe ein Höchstmaß an Transparenz und fügt sich ebenso dezent wie ästhetisch ausdruckstark in sein Umfeld ein.   

Dresden beherbergt mit dem Brückenbausymposium seit 28 Jahren eine der renommiertesten Fachveranstaltungen. Die Finalisten 2018 beweisen einmal mehr, dass moderne Ingenieurskunst nachhaltig, wirtschaftliche und ästhetisch anspruchsvoll sein kann – und auch eine Brücke das Zeug zur Design-Ikone hat.

 


 

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