Campusbrücke Würzburg: Schwungvoll und filigran

18. September 2017

Panta rhei – alles fließt. Was im antiken Griechenland für Heraklit zentraler Aspekt einer Philosophie war, widerlegt der Verkehr des 21. Jahrhunderts täglich aufs Neue. Anstelle eines Seins in ständiger Bewegung steht heute ein permanentes Halten und Warten. Das wollte sich der Freistaat Bayern auf einer Hauptverkehrstraße durch das Gelände der Würzburger Uni nicht länger ansehen – und baute eine Fußgängerbrücke, die Alt- und Neucampus verbindet. Die Überführung bewahrt seitdem nicht nur Autofahrer vor dem Stillstand. Sie überzeugt auch architektonisch als fließender Übergang zwischen zwei Campus-Welten.

 

Campusbrücke Würzburg

© ALLPLAN GmbH; Campusbrücke Würzburg

 

Der Campus der Universität Würzburg ist seit 2009 zweigeteilt. Damals verließen die US-Streitkräfte ihren Stützpunkt auf dem Leighton-Areal. Der Freistaat Bayern erwarb einen Teil des Geländes für die Universität Würzburg und ließ die frühere Militäranlage zum Campus „Hubland Nord“ umbauen. Ein für die Konversion entwickelter Rahmenplan sah ein „Grünes Band“ zwischen dem neuen und dem alten Bereich vor. Eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer sollte sich als barrierefreie Verbindung zwischen den beiden Campus-Arealen harmonisch darin einfügen. Gleichzeitig wünschten sich die Verantwortlichen, dass diese Brücke ihrer markanten städtebaulichen Position als „Tor in die Stadt“ gerecht werde.

 

Einzigartig und kreativ - So werden Funktionalität und Individualität miteinander verbunden.

 

Filigrane Bogenbrücke

In einem einstufigen Realisierungswettbewerb setzte sich zum Jahreswechsel 2011/2012 eine Arbeitsgemeinschaft bestehend aus dem Büro Dr. Schütz Ingenieure aus Kempten und den Berliner Unternehmen Kolb Ripke Architekten und POLA Landschaftsarchitekten durch. Ihr Entwurf sah ein filigranes Bauwerk aus zwei schmalen Betonbändern vor, die über der Straße zu einem kleinen Platz zusammenlaufen. Die zwei Bänder bilden an jedem Ende der Brücke jeweils einen kurzen Treppenaufgang und eine lange Rampe. In der Seitenansicht ergibt sich so eine wellenartige Bewegung, die an eine Sinuskurve erinnert.

 

Campusbrücke Würzburg

© ALLPLAN GmbH; Campusbrücke Würzburg

Perfekt inszenierter Ingenieurbau

Die realisierte Fußgängerbrücke fügt sich perfekt in das begrünte Landschaftsbild ein. Mit nur dreineinhalb Meter breiten Stahlbetonbändern bei einer Gesamtlänge von 109 Metern wirkt der semi-integrale Bau geradezu feingliedrig. Nur an der Schnittstelle der Bänder über der Straße erreicht er seine maximale Breite von 7,15 Metern. Nach innen geneigte Stahlstabgeländer verstärken den Eindruck einer fließenden Dynamik. Bei Nacht inszenieren in die Handläufe integrierte LEDs die Campusbrücke als leuchtendes Stadttor. Die vier unterschiedlichen Enden verleihen der Brückenkonstruktion nicht nur eine besondere Ästhetik. Sie haben auch ganz pragmatisch den Zweck, verschiedene Wege auf dem Campus-Gelände zu erschließen.

 

Campusbrücke Würzburg

© ALLPLAN GmbH; Campusbrücke Würzburg

 

Komplexe Planung

Für die Planung griffen Dr. Schütz Ingenieure auf Allplan Engineering zurück. Die Komplexität der Bogenbrücke ließ sich so in der 3D-Modellierung optimal veranschaulichen. Dank der sehr genauen und übersichtlichen Bewehrungsplanmodelle konnte die Verlegung der Eisen vor der Bauausführung problemlos kontrolliert werden. Aufgrund der vorhandenen Geländepunkte ließ sich innerhalb kürzester Zeit ein einfaches Geländemodell erstellen. Die verschiedenen Layer konnten dabei ein- und ausgeblendet werden.

 

Fußgängerbrücken lassen viel Spielraum für architektonische Kreativität. Dass eine so formvollendete und selbst in den kleinen Details überzeugende Konstruktion besondere Ehre verdient, befanden mittlerweile diverse Juroren. Die Stadt Würzburg würdigte ihre neue Campusbrücke mit einem zweiten Platz beim Antonio-Petrini-Preis 2014. Außerdem wurde das Uni-Bauwerk für den Deutschen Brückenbaupreis 2016 nominiert. Bei Studenten und Autofahrern kommt der fränkische Brückenbau sowieso gut an. Es läuft also in Würzburg. Oder besser: Es fließt.

 


 

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