Wie barrierefreies Bauen unsere Wohnwelt verändern wird

4. Dezember 2017

Weltweit ist jeder siebte Mensch von einem Handicap betroffen – aktuell rund 1 Milliarde Menschen. Zudem droht die zunehmende Überalterung unserer Gesellschaft zu einer Kostenexplosion im Pflegesektor zu führen. Letzten Endes bringt ein barrierefreies Wohnumfeld aber mehr Komfort und Sicherheit für jeden Nutzer – und kann sogar gut aussehen.

 Barrierefreies Bauen und Wohnen

© Unsplash / Brent De Ranter; https://unsplash.com/photos/VNQl_4OmZJw

 

Boom im Schatten des demografischen Wandels

Der Trend scheint irreversibel: Ist heute etwa ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland 60 Jahre oder älter, wird in 25 Jahren voraussichtlich ein Drittel der Bevölkerung zur älteren Generation gehören. Bedenkt man die Kosten für Heimplätze, die für diese Menschen gebaut und betrieben werden müssen, wenn sie im eigenen Zuhause nicht mehr zurechtkommen, zeigt sich schnell: Barrierefrei zu bauen rechnet sich. Die bislang gültigen DIN-Normen 18024 und DIN 18025 zur baulichen Umsetzung haben detaillierte Vorgaben festgelegt. Sie unterscheiden zwischen „barrierefrei nutzbaren“ und „barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren“ Wohnungen.

 

Basics einer barrierefreien Wohnung für Rollstuhlfahrer

  • Stufenloser Zugang zum Haus, zu allen Wohnräumen, Gemeinschaftsräumen und Pkw-Stellplätzen mithilfe von Rampen, Treppenliften, Hebebühnen, Aufzügen.

  • Schwellen dürfen eine Höhe von 2,5 cm nicht überschreiten.

  • Ausreichend breite Türen und Durchgänge von 85 bis 90 cm.

  • Rollstuhlfahrer brauchen im gesamten Wohnbereich genügend Fläche zum Wenden.

  • Bauelemente wie Schalter, Steckdosen, Heizkörperregulierung, Fenster- und Türgriffe, Rollläden, Türspione, Gegensprechanlage, Sicherungskasten u. ä. dürfen nicht höher als 110 cm angebracht oder müssen elektronisch steuerbar sein.


„Design für alle“: Komfort ohne Grenzen

Aber das barrierefreie Bauen der Zukunft geht weit über DIN-Normen hinaus. Denn nicht nur die Überalterung der Gesellschaft ist ein starker Motor, sondern auch schlichtweg unser steigender Anspruch an Bequemlichkeit. Eine erweiterte Sichtweise des barrierefreien Wohnens ist die des „universellen Designs“ oder des „Designs für alle“.

 

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Gemeint ist eine funktionale Raumgestaltung, die Formschönheit mit den Faktoren Usability, Komfort und Sicherheit verbindet – zum Beispiel stufenlos höhenverstellbare Waschtische und WCs, die auch kindgerecht sind. Mit dieser „Demokratisierung“ des barrierefreien Wohnens weckt der Begriff auch bei Architekten zunehmend inspirierendere Assoziationen als die von nachträglich angebrachten Haltegriffen im Sanitärbereich und Treppenliften.

 

Smart Home? Ist auch barrierefreies Wohnen

Dazu trägt sicher auch bei, dass sich Architekten bei der barrierefreien Planung zunehmend mit Smart-Home-Technologien befassen müssen. Denn auch die Immobilienwirtschaft setzt intensiv auf „demografiefeste“ Wohnungen mit neuester Haustechnik. Automatische Licht- und Rollladensteuerung, sensorgesteuerte Fenster- und Türschließer, intelligente Heizkörperthermostate sind längst gängige Praxis. Hinzukommen werden motorisch betriebene Türen, neue automatisierte Sicherheits- und Notrufsysteme und andere Innovationen, die das selbstbestimmte Wohnen in allen Lebensphasen erleichtern.

 

So nimmt die gesellschaftliche Zukunftsversion des barrierefreien Wohnens Gestalt an: Häuser, die sich um ihre Bewohner kümmern, die Lebensqualität des Einzelnen erhöhen und dem Schreckgespenst der Kostenexplosion im Pflegesektor langfristig entgegensteuern.

 


 

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